Biologin Witsch-Baumgartner erforscht Erbkrankheiten

1. Februar 2003, 20:16
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Fasziniert von Genetik war Martina Witsch-Baumgartner dank ihres Biologielehrers schon während der Schulzeit in Deutschland: "Er hat uns immer die neuesten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet nahe gebracht, so konnte ich schon die ersten Entwicklungsschritte Anfang der Achtziger-Jahre verfolgen." Humangenetik hätte sie dabei immer am meisten interessiert: "Nur Hefe und Bakterien, das wäre nichts für mich - wenn Genetik, dann auch der Mensch."

Helfen wollen sei schon immer im Vordergrund gestanden, weshalb die gebürtige Stuttgarterin mit französischer Mutter sich zunächst für das Medizinstudium an einer Pariser Uni entschied. Absolviert hat sie dann aber Humangenetik in Tübingen, am Institut Curie in Paris schrieb sie ihre Diplomarbeit, für ihre Dissertation verschlug es sie schließlich an das Institut für Biochemie an die Universität Innsbruck. Ein Stipendium führte die Globetrotterin später auch nach Italien, heute ist die Tiroler Hauptstadt ihr Zuhause: Am dortigen Institut für Medizinische Biologie und Humangenetik beschäftigt sich Witsch-Baumgartner seit fünf Jahren mit der Erforschung des "Smith-Lemli-Opitz-Syndroms" (SLOS). Diese Erbkrankheit bewirkt eine Störung in der Embryonalentwicklung, Fehlbildungen wie Sechsfingrigkeit und geistige Behinderung können beispielsweise die Folge sein.

"Wir kennen mittlerweile das Gen und haben die Mutationen gefunden, die für die Erkrankung verantwortlich sind", schildert die Hertha-Firnberg-Stipendiatin Erfolge. Auf das Thema gekommen sei sie eigentlich durch puren Zufall: "Von der benachbarten Pharmakologie kam damals ein kloniertes Gen und ich dachte, gut, nehme ich, ist ja egal, an welcher Krankheit ich forsche - wissenschaftlich hat es mich außerdem mehr interessiert als die männliche Infertilität, die ich noch zur Auswahl hatte."

Mittlerweile ist sie ganz in das Thema hinein gewachsen und zu Recht stolz darauf: "Bei Kongressen wird die Krankheit mit meinem Namen in Verbindung gebracht und das ist schon ein tolles Gefühl." Träumt sie denn manchmal vom Nobelpreis? "Nein, da bin ich ganz realistisch - das ist bei einer 80-Stunden-Woche mit Familie nicht drinnen." Die Familie stehe dezidiert an erster Stelle, auch ins Ausland werde es sie so bald nicht mehr ziehen: "Mit zwei Kindern ist man nicht mehr so mobil." Wenn, dann käme Kanada in Frage, denn: "Mein Mann ist Schilehrer und ohne die Berge geht es nicht."

Kleine Ziele steckt sich die Wissenschafterin natürlich trotzdem: "Ich will tolle Forschungsergebnisse erzielen - vielleicht ergeben sich daraus dann Preise." Ein anderes Ziel könnte vielleicht die Habilitation nächstes Jahr sein. Und die Pläne nach Abschluss des Hertha-Firnberg-Projekts? Würde ihr zum Beispiel das Unterrichten an einer Uni liegen? "Erst vor kurzem habe ich meine erste Vorlesung gehalten: Es hat großen Spaß gemacht." Wäre also eine Möglichkeit. (Isabella Lechner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1./2. 2. 2003)

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