Die Raumfahrt fordert ihren Tribut

1. Februar 2003, 19:01
1 Posting

Bei Unfällen mit Raumschiffen kamen bisher 21 Astronauten ums Leben

Frankfurt - Das Abenteuer Raumfahrt bleibt auch über vier Jahrzehnte nach dem ersten bemannten Flug des Russen Juri Gagarin gefährlich. Der Absturz der US-Fähre "Columbia" mit sieben Astronauten hat dies wieder einmal vor Augen geführt. Damit kamen seit Beginn der bemannten Raumflüge am 12. April 1961 bereits 21 Weltraumfahrer bei Unglücken ums Leben. Die führenden Raumfahrtstaaten USA und die frühere Sowjetunion waren dabei gleichermaßen betroffen. Keiner der tödlichen Unfälle ereignete sich jedoch im Weltraum.

Der Absturz der "Columbia" ist neben der Explosion des Schwesterschiffs "Challenger" fast auf den Tag genau 17 Jahre zuvor das schwerste Unglück. An Bord der "Columbia" befanden sich neben den sechs Amerikanern Rick Husband, William McCool, Michael Anderson, David Brown, Laurel Clark und Kalpana Chawla auch der erste israelische Raumfahrer, Ilan Ramon.

Bei der Explosion der "Challenger" kurz nach dem Start am 28. Jänner 1986 kamen ebenfalls alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben. Ursache des Unglücks waren schadhafte Dichtungsringe an einer der beiden wiederverwendbaren Feststoffraketen. Die Ringe waren infolge von Kälteeinwirkung in der Nacht vor dem Start brüchig geworden. Die Fähre explodierte nur 73 Sekunden nach dem Abheben vom Startgelände Cape Canaveral in Florida. An Bord war neben den sechs Berufsastronauten Michael Smith, Francis Scobee, Ronald McNair, Ellison Onizuka, Gregory Jarvis und Judith Resnik auch die Lehrerin Christa McAuliffe.

Die ersten Opfer hatten ebenfalls die Amerikaner zu beklagen: Am 27. Jänner 1967 kamen die Astronauten Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee bei einem Test auf dem Startgelände Cape Canaveral in einer Apollo-Kapsel ums Leben, als diese in Brand geriet. Die drei hätten einen Monat später zum ersten Flug eines Apollo-Raumschiffes ins All aufbrechen sollen. Der Hergang des Unglücks wurde nur teilweise geklärt. Eine Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, dass dieser Test unnötig gefährlich gewesen und keinerlei Vorsorge getroffen worden sei. Als Konsequenz aus dem Unfall wurde das Apollo-Raumschiff, mit dem die Amerikaner zwei Jahre später zum Mond flogen, völlig umkonstruiert.

Bei den Sowjets gab es zwei Weltraumflüge mit tödlichem Ausgang, bei denen insgesamt vier Raumfahrer starben. Knapp drei Monate nach der Brandkatastrophe der Amerikaner verunglückte am 23. April 1967 der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow mit dem Raumschiff Sojus-1 bei der Landung tödlich. Der Bremsfallschirm seiner Kapsel hatte sich nicht geöffnet.

Vier Jahre später, am 30. Juni 1971, endete das Unternehmen Sojus-11 in einer Katastrophe. Als sowjetische Weltraumtechniker nach der Rückkehr des Raumschiffes zur Erde die Luke der Kapsel öffneten, fanden sie die Kosmonauten Georgi Dobrowolski, Wladislaw Wolkow und Viktor Pazajew tot in ihren Sitzen. Eine Untersuchung ergab, dass der Flug bis zum Niederschweben der Kapsel planmäßig verlief. In der letzten Phase, eine halbe Stunde vor der Landung, muss es zu einem Druckabfall in der Kapsel gekommen sein, der zum Tod der Kosmonauten führte. Das Raumschiff Sojus-11 war am 6. Juni gestartet und koppelte einen Tag später an die Raumstation "Saljut-I" an. Anschließend stiegen die Kosmonauten um. Am 30. Juni schließlich landete die Kapsel nach einem Rekordflug von 24 Tagen mit den toten Kosmonauten im vorgesehen Zielgebiet.

Dramatisch verlief 1970 der Flug des US-Raumschiffs Apollo 13, das am 11. April mit den Astronauten James Lovell, Fred Haise und John Swigert gestartet war. Es sollte die dritte Mondlandung der Amerikaner werden. Der Flug verlief zunächst planmäßig. Zwei Tage nach dem Start, am 13. April, explodierte in mehr als 300.000 Kilometer Entfernung von der Erde ein Sauerstofftank des Versorgungsteils des Raumschiffs.

Vier Tage lang bangte die Welt um das Leben der Astronauten. In einer beispiellosen Rettungsaktion gelang es schließlich, die drei unversehrt zur Erde zurückzubringen. Die Apollo-Kapsel landete am 17. April im Pazifischen Ozean. Da die Versorgung in der Kapsel weitgehend lahm gelegt war, benutzten die Astronauten die mitgeführte Mondlandefähre während ihres Flugs durch den Weltraum vorübergehend als "Rettungsboot". Erst kurz vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre wurde die Fähre von der Kapsel getrennt.

Pannen gab es in den vergangenen Jahren auch immer wieder mit der früheren russischen Raumstation "Mir". Am 25. Juni 1997 kollidierte eine unbemannte Transportkapsel beim Kopplungsmanöver mit der Station und beschädigte ein Modul der "Mir". Eine Serie von Reparaturen wurde dadurch notwendig, was die wissenschaftliche Arbeit an Bord stark beeinträchtigte. Vier Monate zuvor war ein Brand in einer defekten Luftreinigungsanlage ausgebrochen. (APA/AP)

Share if you care.