Palästinenser-Führung zu Waffenruhe und Friedensgesprächen bereit

1. Februar 2003, 16:23
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Aber weiter Gewalt in den Palästinensergebieten

Ramallah/Gaza - Die palästinensische Führung ist zu einer umfassenden Waffenruhe und einer sofortigen Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit Israel bereit. Dies teilte das palästinensische Kabinett in der Nacht zum Samstag nach seiner wöchentlichen Sitzung in Ramallah mit. Es strebe Gespräche unter der Schirmherrschaft des so genannten Nahostquartetts an, in dem USA, Russland, die Europäische Union und die Vereinten Nationen vertreten sind. In den Palästinensergebieten dauerte die Gewalt unterdessen an.

Das Kabinett in Ramallah äußerte sich ebenfalls positiv über die Gespräche der verschiedenen palästinensischen Fraktionen in Kairo über eine vorläufige Einstellung der Terroranschläge in Israel. Die bislang ergebnislos verlaufenen Gespräche sollen am kommenden Dienstag fortgesetzt werden.

Die Autonomiebehörde sei von der negativen Reaktion der israelischen Führung auf das Verhandlungsangebot des Palästinenserpräsidenten Yasser Arafat überrascht, hieß es in der Stellungnahme. Ministerpräsident Ariel Sharon hatte ein Gesprächsangebot Arafats nach seinem überragenden Wahlsieg abgelehnt. Seit Beginn des Palästinenseraufstands vor mehr als zwei Jahren waren zahllose Anläufe zu einer Waffenruhe zwischen beiden Seiten gescheitert.

Israelische Soldaten erschossen in der Nacht zum Samstag bei Rafah im südlichen Gazastreifen einen bewaffneten Palästinenser. Israelische Medien berichteten, der Mann sei in der Nähe des Grenzübergangs zu Ägypten getötet worden. Bei der Leiche wurden den Angaben zufolge ein Schnellfeuergewehr, ein kugelsichere Weste und große Mengen an Munition gefunden. Die radikale Gruppe Demokratische Front zur Befreiung Palästinas teilte anschließend mit, der Getötete sei ein 19-jähriges Mitglied ihrer Organisation gewesen.

Unterdessen gab der israelische Militärzensor zur Veröffentlichung frei, dass bereits am Freitag bei Rafah ein Soldat bei einem Unfall mit unklarer Ursache ums Leben gekommen war. Ein weiterer israelischer Soldat wurde den Angaben zufolge verletzt. Der Armeelastwagen, in dem beide Männer in Grenznähe unterwegs waren, habe sich überschlagen.

Am späten Freitag waren nach Augenzeugenberichten im nördlichen Gazastreifen bei Bet Hanun sieben palästinensische Kinder bei israelischem Granatenbeschuss verletzt worden. Die Armee teilte hingegen mit, die Soldaten hätten in der Gegend militante Palästinenser am Abschießen von Kleinraketen des Typs "Kassam" auf israelische Ziele gehindert und einen von ihnen verletzt. (APA/dpa)

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