Anklagen in Mannesmann-Affäre erwartet

1. Februar 2003, 13:24
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Laut Medienberichten unter anderen gegen Ackermann, Esser und Zwickel - Ministerium prüft Unterlagen der Staatsanwaltschaft

Die Ermittlungen in der Mannesmann-Affäre sind nach "Spiegel"-Informationen nach fast zwei Jahren abgeschlossen. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft werde im Februar Anklage gegen sechs ehemalige Aufsichtsräte und Manager des Konzerns erheben, dazu gehörten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, IG-Metall-Vorsitzender Klaus Zwickel, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, berichtete das Nachrichtenmagazin am Samstag vorab. Die Staatsanwaltschaft werfe ihnen Untreue in besonders schwerem Fall und Beihilfe dazu vor.

250 Millionen Abfindungen und Boni

Bei der Übernahme des Konzerns durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone im Jahr 2000 waren mehr als 250 Mio. DM (127,8 Mio. Euro) Abfindungen und Boni an führende Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre des Konzerns gezahlt worden. Esser selbst erhielt rund 60 Mio. DM.

Mannesmann-Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten

Zuständig für die Verteilung der Geldsummen sei unter anderen der Mannesmann-Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten gewesen, hieß es. Ihm hätten Zwickel, Ackermann und Konzernbetriebsrat Jürgen Ladberg angehört. Die Staatsanwaltschaft erhebt laut "Spiegel" den Vorwurf, dass ein Großteil der Zuwendungen ohne Rechtsgrundlage erfolgte. Nicht das Konzerninteresse, sondern persönliche Bereicherungsmotive hätten zu den üppigen Abfindungen geführt.

"Unzutreffend"

Zurzeit werde der Vorgang beim nordrhein-westfälischen Justizministerium geprüft, bevor die Staatsanwaltschaft ihn beim Landgericht Düsseldorf einreichen, berichtete das Blatt weiter. Die Beschuldigten hätten die Vorwürfe mehrmals als unzutreffend zurückgewiesen. Einige hätten versucht, mit gezielten Interventionen bei der Landesregierung Einfluss auf das Verfahren zu nehmen.

Esser hatte vergangenen Sommer beim Landgericht Düsseldorf eine Amtshaftungsklage gegen das Land Nordrhein-Westfalen als Dienstherr der Staatsanwaltschaft eingereicht. Er wirft den Ermittlern Amtspflicht-Verletzungen und Rufschädigung vor und verlangt 100.000 Euro Schadenersatz sowie Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 100.000 Euro.

Zwickel räumte angesichts der Ermittlungen ein, es wäre besser gewesen, er hätte seine negative Einstellung zu den Zahlungen mit einer klaren Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Er hatte sich bei der Vergabe der Millionen-Zahlungen der Stimme enthalten.(APA/AP)

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