Reichweitenglück: Nachwuchstöne an die Imagefront ...

21. Februar 2003, 23:12
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"Starmania" bedeutet für den ORF vor allem Reichweitenglück und weniger ein Paradies der Einnahmen - RTL ist wesentlich besser dran

Geldsegen durch "Starmania"? ORF-intern will man das nicht so sehen, zu teuer seien die Livesendungen, als dass man viel verdienen könnte, heißt es ORF-intern. Wie viel "Starmania" wirklich kostet, wird standhaft verschwiegen, Schätzungen belaufen sich auf 5,5 Millionen Euro. Etwa 2,5 Millionen verdiene man mit Sponsoring, erklärt ORF-Finanzchef Alexander Wrabetz im STANDARD-Gespräch. Ebenso viel käme durch klassische Werbung herein.

"Sehr, sehr gut gebuchte Zeit"

Um das große Geld gehe es ohnehin nicht, weshalb auch die Werbepreise in der "sehr, sehr gut gebuchten" Zeit nicht erhöht wurden. Die lägen nach wie vor zwischen 250 und 350 Euro pro Sekunde. "Es geht eher um den Imagegewinn sowohl bei Werbung als auch den Zuschauern." Und um die junge Sehergruppe: "Hochprofitables Investment" nennt das Wrabetz. Im Endeffekt produziere man aber "aufwandsneutral".

Spezieller Telefontarif

Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass allein letzte Woche 1060.000 Stimmen per Telefon oder SMS abgegebenen wurden. Das sei, erklärt Wrabetz ein "spezieller Tarif von nur sieben Cent" und gerade kostendeckend. "Da bleibt praktisch nichts über." Und bei den SMS-Sendungen müsse der ORF gar drauflegen. Es sei nun mal keine Mehrwertnummer, "wo man sehr viel Geld machen könnte. Wir sind kein privater Sender."

Dass die Kölner von RTL mit ihrem Wettsingen "Deutschland sucht den Superstar" genug verdienen, daran besteht indes kein Zweifel: RTL ist Tochter von Medienkonzern Bertelsmann. Der Gewinner erhält einen Plattenvertrag bei BMG, ebenfalls Firmentochter. Für Merchandising ist die RTL Enterprise zuständig.

RTL erhöhte Werbepreise

Wegen Erfolges wurden dort auch die Werbepreise erhöht: Zum 1. Februar während der Show um bis zu 23 Prozent. 30 Sekunden kosten dann zwischen 57.000 und 64.500 Euro. In der Entscheidungsshow nach 23 Uhr kosten 30 Sekunden Werbung 18.000 Euro, was einer Anhebung um 14 Prozent entspricht.

CD's "verkaufen sich sehr gut"

Jedenfalls, das CD-Geschäft mit "Starmania" rollt bereits; veröffentlicht wurden eine CD mit den Originalversionen der gecoverten Songs, eine Playback-CD zum Selbstprobieren und "Best of Qualifikation". "Das alles verkauft sich gut", sagt Universal-Chef Bogdan Roscic. Seine Firma ist bei "Starmania" ORF-Exklusivpartner, was bedeutet, dass alle Qualifikanten zuerst mit Universal reden müssen. "Wenn wir uns mit dem Kandidaten nicht eingen, kann natürlich eine andere Firma ran." Man wird die "First Option" da und dort einlösen - wer also ausgeschieden ist oder noch ausscheidet, muss nicht über die Maßen traurig sein. Es gibt noch Möglichkeiten, wenngleich nicht die Garantie, wie beim Sieger.

Dieser fährt nach Kalifornien und nimmt dort mit Produzent Peter Wolf eine Single auf. "Das ist sozusagen die Minimalvariante. Der Aufbau einer dauerhaften Karriere wird schon mehr Aufwand erfordern" so Roscic. Das in den USA Aufgenommene soll übrigens vor allem in Österreich einschlagen. (pri, tos/DER STANDARD; Printausgabe, 1./2.2.2003)

  • Die "Starmania"-Kandidaten pendeln unentwegt zwischen Singen und Zittern - der ORF hingegen schwebt im Quotenglück und kann sich entspannen
    foto: orf/schafler

    Die "Starmania"-Kandidaten pendeln unentwegt zwischen Singen und Zittern - der ORF hingegen schwebt im Quotenglück und kann sich entspannen

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