Höhenflug in dünner Luft

3. Februar 2003, 18:05
posten

Die Bundestheater bilanzieren weiterhin positiv - und glänzen mit hohen Auslastungszahlen: Dennoch droht für 2003 ein Defizit

Die Bundestheater bilanzieren weiterhin positiv - und glänzen mit hohen Auslastungszahlen. Dennoch droht für 2003 ein Defizit. Weil es keinen Spielraum gebe, um die drohende Steigerung der Personalkosten aufzufangen.


Wien - Das Geimpfte ging Ioan Holender auf, als er vor ein paar Tagen in der Süddeutschen Zeitung lesen musste, dass sich die Zürcher Oper unter der Leitung der Sponsorgeld-"Bettelbegabung" Alexander Pereira zu "sensationellen 39,4 Prozent" selbst finanziere. Von einem solchen Wert könnten "andere Häuser nicht einmal träumen".

Der Ärger des Staatsoperndirektors ist durchaus verständlich. Bei einem Eigenfinanzierungsgrad von nur 39,4 Prozent hätte er bereits heftige Albträume. Schließlich kommt sein Haus auf supersensationelle 44 Prozent.

Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, ließ sich die Zahl denn auch bei 2. Spalte seiner alljährlichen Bilanzpressekonferenz genüsslich auf der Zunge zergehen. Die Prozentsätze der anderen Bühnen gab er aber erst auf Nachfrage bekannt: Die Volksoper kam in der Saison 2001/02 auf 22 Prozent, das Burg- samt Akademietheater gar nur auf deren 17,5.

Was auch irgendwie logisch ist. Denn die hochpreisige Staatsoper konnte 26,7 Millionen Euro an Karteneinnahmen lukrieren, Volksoper und Burg hingegen erlösten nur 6,8 beziehungsweise 5,4 Millionen. Was nicht an den Auslastungszahlen liegt: Sie stiegen gerade in diesen beiden Häusern. Im Fall des Burgtheaters sogar beträchtlich: von 81,5 Prozent in der Saison 2000/01 auf nun 86,1 Prozent. Die Volksoper steigerte sich 3. Spalte von 77,3 auf 78,5 Prozent. Die Staatsoper kam auf 93,7 Prozent (gegenüber 93,9 Prozent).

Auch auf die Bilanzen darf man stolz sein: Erneut fuhren alle Gesellschaften, also auch die Holding und die TheaterservicegmbH Art for Art, einen Gewinn ein. Mag er auch nur dürftig sein wie im Falle der Volksoper (8340 Euro). Die Staatsoper jedoch brillierte: Sie erzielte einen Überschuss von 1,47 Millionen.

Alles eitel Wonne? Mitnichten. Denn im vergangenen Jahr gab es keine Bezugserhöhung. Diese steht aber nun an. Und wenn die Personalkosten auch nur um zwei Prozent steigen, werden die meisten Häuser ein respektables Defizit einfahren: Im Fall der Burg bedeutet selbst eine moderate Erhöhung der Bezüge gleich eine Belastung von 700.000 Euro. Die Springersche Gebetsmühle wird daher nicht müde, auf die Basisabgeltung (jährlich 133,6 Millionen Euro) hinzuweisen, die seit 1995 nicht erhöht wurde. Für die laufende Saison seien zusätzliche 100 Millionen Schilling (7,27 Millionen Euro) unabdingbar. Und künftig müsse es eine Indexanpassung geben.

Die triste Situation macht Springer - "Wir befinden uns weiter auf einem Höhenflug, aber die Luft wird dünner" - an der ServicegmbH fest: Die Bühnen würden beim Materialaufwand und bei den Arbeitsstunden einsparen, daher komme es zusehends zu größeren Auslastungsproblemen - und in der Folge zu weiteren Personalreduktionen (insgesamt 53 Arbeitsplätze). Wohin das steuere? Zu einer existentiellen Bedrohung der GmbH.

Eine solche sieht Geschäftsführer Josef Kirchberger allerdings nicht wirklich dräuen. Schließlich gelang es ihm, das Volumen der Fremdaufträge - von Bregenz bis Mörbisch - massiv zu erhöhen. Der Kostümverleih (Ausstattung von Filmproduktionen) gewinnt an Bedeutung. Und die düstere Prognose, man werde Rücklagen auflösen müssen, um ausgeglichen bilanzieren zu können, erfüllte sich nicht: Art for Art machte erneut knapp 100.000 Euro Gewinn.

Obwohl man hohe Investitionen tätigte: Im Dezember wurde im Arsenal die neue, über 1000 Quadratmeter große Fertigungshalle für die Dekorationswerkstätten in Betrieb genommen. Die Kosten (2,3 Millionen Euro) werden zur Gänze von der ServicegmbH getragen. Dadurch stieg, was Kirchberger besonders freut, auch das Anlagevermögen. (DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.2.2003)

Von Thomas Trenkler
  • Neue Werkhalle der Theater-Service-Gesellschaft der Bundestheater im Arsenal
    foto: art for art

    Neue Werkhalle der Theater-Service-Gesellschaft der Bundestheater im Arsenal

Share if you care.