Eincremen im 6/8-Takt

25. August 2003, 15:29
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Was macht das "Hautgefühl" aus? Sensorische Eigenschaften von Kosmetika kommen nun auf den Prüfstand

Zwölf Damen sitzen einander in einem Labor an einem langen Tisch gegenüber. Die Frauen verreiben gewissenhaft eine kleine Menge einer Lotion auf ihren linken Unterarmen, in gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen, immer im Takt des Metronoms, das auf dem Tisch steht. - Es geht nicht um kollektive Körperpflege. Die Frauen sind geschulte Probandinnen, die ein neues Kosmetikprodukt nach streng wissenschaftlichen Kriterien einem sensorischen Test unterziehen.

Vor der Markteinführung durchlaufen Kosmetika eine Vielzahl an Tests und Kontrollen, von der Verträglichkeit über die Wirksamkeit bis zur Kundenakzeptanz. Die Untersuchung des "Hautgefühls", das eine Lotion, ein Lippenstift oder ein Serum beim Anwender oder der Anwenderin hervorrufen, ist dabei ein kleiner, aber wichtiger Mosaikstein.

Von der klebrigen Pampe zur "Skinfeel Spectrum Method"

Eine Tagescreme, die sich im Gesicht wie klebrige Pampe anfühlt, ein Körpergel, das die Haut wie feuchter Schleim überzieht, solche Produkte wären selbst bei hervorragender Pflegewirkung programmierte Ladenhüter. Deshalb werden die sensorischen Eigenschaften penibel geprüft.

Methoden gibt es mehrere. Die "Skinfeel Spectrum Method" stammt ursprünglich aus dem Militärbereich: Weil sich Heeresangehörige häufig über die Verpflegung beschwert hatten, führte man standardisierte Geschmackstests ein.

Die Kosmetikindustrie hat sich diese Tests auf ihre eigenen Bedürfnisse zurechtgeschneidert. Der Geschmack eines Produkts der pflegenden oder dekorativen Kosmetik ist meist nebensächlich. Geprüft werden Konsistenz, Aussehen und Geruch.

Aussehen, Entnahme, Verteilen und Hautgefühl

"Die Beurteilung eines neuen Produkts erfolgt in vier Abschnitten", führt Susanne Treibel, Leiterin des Hamburger Sensorik-Labors, aus: "Aussehen, Entnahme, Verteilen und Hautgefühl." Letzteres wird bei Beiersdorf sofort nach dem Auftragen und fünf Minuten danach gemessen.

Die Test laufen standardisiert ab, die Ergebnisse seien daher vergleichbar und reproduzierbar, betont die Sensorikerin: "Acht bis zwölf gut ausgebildete Personen - Verbraucherinnen, die ein 20- bis 30-stündiges Training absolviert haben - tragen das Produkt auf einer bezeichneten Stelle auf dem linken Arm mit dem rechten Zeige- oder Mittelfinger auf." Jede untersuchte Eigenschaft wird auf einer zehnstufigen Skala bewertet. (APA/red)

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    foto: chanel
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