Jeder Fünfte über achtzig Jahre leidet an Demenz

7. Februar 2003, 11:24
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Die Zahl der Patienten steigt in Deutschland jährlich um 200.000

Köln - Demenz-Erkrankungen verbreiten sich in Deutschland immer mehr. Rein statistisch gesehen ist heute bereits jeder hundertste davon betroffen, wie Experten auf einem Forum in Köln berichteten. Inzwischen leide jeder Fünfte über achtzig Jahren an Gedächtnisverlust. Die Zahl der Patienten steige Jahr für Jahr um etwa 200.000. Die Göttinger Psychiatrieprofessorin Gabriela Stopp sprach von einer Volkskrankheit, vergleichbar mit Diabetes oder Bluthochdruck.

Die Patienten können sich nicht mehr orientieren, keine sozialen Kontakte aufrechterhalten und sind zu keinen klaren Urteilen mehr fähig. Rund zwei Drittel aller Demenz-Patienten leiden an Alzheimer. In der Regel dauert es acht Jahre vom Erkennen der ersten Symptome bis zum Tod. Bei jedem vierten Patienten sind Durchblutungsstörungen für den Verfall verantwortlich.

Ursachen

Weitere Ursachen können Stoffwechselstörungen oder Hirntumore sein. Schwierig ist die Früherkennung. Wer feststellt, dass er plötzlich vergesslicher als früher ist, wem oft gebrauchte Wörter nicht einfallen, wer fremde Situationen nicht mehr beherrscht, solle sofort einen Arzt aufsuchen. Denn all das könnten erste Anzeichen sein, sagte Stoppe.

Nach Angaben der Expertin gibt es in Deutschland neunzig "Gedächtnissprechstunden", bei denen die Ursachen der Vergesslichkeit gesucht werden. Manchmal sei es auch nur Stress, falsche Ernährung oder die Folge von Depressionen. Bei der Diagnose Demenz sei eine Behandlung möglich, "aber keine Heilung", sagte Stoppe.

Es könnten lediglich die Hirnfunktionen gestärkt und stabilisiert werden, aber der Verfall sei nicht aufzuhalten. Immerhin sei es so möglich, die Einweisung in ein Pflegeheim um etwa zwei Jahre zu verzögern - vorausgesetzt, die Familie sei zur häuslichen Pflege bereit. (APA/AP)

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