Zurück zur Grundlagenforschung?

7. Februar 2003, 11:22
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US-Experte hält nicht die Gene, sondern die Proteine und deren Interaktionen für entscheidend

San Antonio - Das vergangene Jahrzehnt ist in der Biologie im Zeichen der Genomforschung gestanden. Doch den Durchbruch bei der Suche nach völlig neuen Behandlungsmöglichkeiten von vielen bisher kaum beherrschbaren Leiden hat das nicht gebracht. "Wir müssen von den Genen zu den Proteinen kommen und ihr Zusammenspiel verstehen lernen. Erst mit einer solchen Netzwerk-Biologie werden wir Krankheiten wie Blutvergiftung beherrschen lernen", erklärte bei der 32. Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Intensivmedizin in San Antonio vergangene Woche US-Experte Univ.-Prof. Dr. Michael B. Yaffe.

"Genomics" hieß bisher das Zauberwort. Doch die Identifizierung von Genanlagen im Erbgut ist nur ein erster Schritt. Yaffe vom Massachusetts Institute of Technology verlangt eher ein "Zurück zur Grundlagenforschung". Die humanmedizinischen Schlagworte waren "Genomics", "Proteomics" (Erforschung der Proteine), "Glycomics" (Erforschung der Zuckermoleküle) und "Metabolomics" (Stoffwechsel). Hinzu kam die kombinatorische Chemie, mit der man binnen einer Woche rund 40.000 neue chemische Verbindungen machen kann. Doch die Zahl der wirklich neuen Arzneimittel ist zurückgegangen.

Erforschung von Signal-Leitungssystemen

Mittlerweile setzen manche Wissenschafter in der biologischen Forschung völlig auf Erforschung von Signal-Leitungssystemen in Zellen und in Organismen als neuem Clou. Doch auch hier ist der US-Experte skeptisch, wenn er meint, dass ein "Signal noch keine Krankheit" ist. "Wenn wir einen Krankheitsmechanismus verstehen lernen wollen, müssen wir die Proteine, deren Wechselwirkungen und deren Dynamik studieren. Das alles verändert sich."

Am Beispiel der Blutvergiftung fanden Wissenschafter aus Yaffes Team heraus, dass diese massive und den ganzen Körper betreffende Entzündungsreaktion in Zellen das Selbstmordprogramm des programmierten Zelltodes auslöst.

Der US-Wissenschafter und die Experten seiner Gruppe wollen jetzt diese Mechanismen mit den beteiligten Proteinen im Detail und im Verlauf darstellen: "Erst dann werden wir möglicherweise Arzneimittel entwickeln können, die gezielt in die Entwicklung einer Sepsis eingreifen." (APA)

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