"Es wird noch immer zu wenig für Familien getan"

15. Jänner 2008, 07:00
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dieStandard.at fragte Mütter, ob sie auf eine andere Kindergeld-Variante umsteigen wollen – Kritisiert wird die Informationspolitik des Familienministeriums

Wien - "Das ist ein Anfang, aber insgesamt wird noch immer zu wenig für Familien getan", sagt Viktoria Gansberger. Dass sie seit dem 1. Jänner als Mutter ihrer 15 Monate alten Tochter Amie die Möglichkeit hätte, das Kindergeld für kürzere Zeit zu beziehen und dafür mehr zu bekommen, war ihr bisher nicht bekannt. Derzeit erhält sie 436 Euro - 30 Monate lang. Die zweite für sie in Frage kommende Option, nämlich für 20 Monate 624 Euro zu erhalten, sei für sie jedenfalls wesentlich praktischer, erzählt sie im Gespräch mit dieStandard.at. Die dritte Möglichkeit - für 15 Monate jeweils 800 Euro zu bekommen -, kann die Alleinerzieherin nicht mehr in Anspruch nehmen. Dafür ist Amie schon zu alt.

Alleinerzieherinnen ohne "Papa-Bonus"

Auch vom "Papa-Bonus" - der Bezug des Kinderbetreuungsgeldes erhöht sich um sechs, vier oder drei Monate, wenn der Vater in Karenz geht - kann sie nicht profitieren. Gansberger möchte so bald wie möglich wieder in ihren Vollzeitjob im Bereich Marketing zurückkehren. Einen Platz im Kindergarten zu ergattern sei jedoch nicht leicht: "Eine Freundin hat sich für einen Kindergarten bei der Stadt Wien angemeldet und steht jetzt in der Warteliste an zweihundertster Stelle".

Wertschätzung

Für die längere Variante des Kinderbetreuungsgelds hat sich Elisa Stummer entschieden. "Ich möchte so lange wie möglich bei den Kindern sein", erzählt Stummer, während sich ihre beiden Töchter im Indoor-Spielplatz der "Kinderinfo" austoben. Mit dem Kindergeld plus ihrem geringfügigen Verdienst als Tagesmutter komme sie "ganz gut" aus. Dass es einen "Papa-Bonus" gibt, findet sie gut: "Das ist eine gute Chance für die Väter, damit sie sich drüber trauen". Die Alleinerzieherin wünscht sich mehr Wertschätzung von der Gesellschaft: "Mir wird oft das Gefühl gegeben, dass ich nichts Wichtiges mache, weil ich 'nur' Kinder betreue".

Zu spät erfahren

Auch Tatjana Reisinger, 25, möchte so lange wie möglich bei ihren Kindern bleiben. Die Steirerin hat eine vierjährige Tochter und Zwillingsmädchen im Alter von elf Monaten. "Ich werde für den längst möglichen Zeitraum das Kindergeld beziehen". Dass es seit Jänner auch andere Varianten gibt, hätte sie zu spät erfahren. "Man muss schließlich gut im Voraus planen".

Kein Anspruch

Die Zuverdienstgrenze von 16.200 Euro pro Jahr überschreitet Eveline Schmidt. Für ihre Kinder - sie sind acht Monate und zwei Jahre alt - hat sie deshalb kein Recht auf Kindergeld. Hätte sie die Wahl, würden sie die Unterstützung für 15 Monate beziehen. Besser fände sie eine Regelung nach luxemburgischem Vorbild: "Nach vier Monaten Erziehungsurlaub kann man dort für ein Jahr halbtags arbeiten. Die Hälfte des Einkommens bezieht man vom Arbeitgeber, den zweiten Teil bekommt man vom Staat", erklärt die Bankangestellte. (dieStandard.at/Katrin Burgstaller, 15. Jänner 2007)

  • "Das ist ein Anfang, aber insgesamt wird noch immer zu wenig für Familien getan", sagt Viktoria Gansberger, 32,  Marketing-Angestellte.
    foto: derstandard.at/rwh
    "Das ist ein Anfang, aber insgesamt wird noch immer zu wenig für Familien getan", sagt Viktoria Gansberger, 32, Marketing-Angestellte.
  • "Mir wird oft das Gefühl gegeben, dass ich nichts Wichtiges mache, weil ich 'nur' Kinder betreue", sagt Elisa Stummer, 28. Sie wünscht sich mehr Anerkennung.
    foto: derstandard.at/rwh
    "Mir wird oft das Gefühl gegeben, dass ich nichts Wichtiges mache, weil ich 'nur' Kinder betreue", sagt Elisa Stummer, 28. Sie wünscht sich mehr Anerkennung.
  • Für Eveline Schmidt, 34, kommt das Kinderbetreuungsgeld nicht in Frage: Sie verdient zu viel. Die Bankangestellte wünscht sich für Österreich staatliche Zuschüsse nach luxemburgischem Vorbild.
    foto: derstandard.at/rwh
    Für Eveline Schmidt, 34, kommt das Kinderbetreuungsgeld nicht in Frage: Sie verdient zu viel. Die Bankangestellte wünscht sich für Österreich staatliche Zuschüsse nach luxemburgischem Vorbild.
  • Tatjana Reisinger, 25, Kellnerin aus der Steiermark, möchte so lange wie möglich bei den Kindern sein. Außerdem hätte man zu spät von der Reform erfahren: "Man muss schließlich gut im Voraus planen".
    foto: privat
    Tatjana Reisinger, 25, Kellnerin aus der Steiermark, möchte so lange wie möglich bei den Kindern sein. Außerdem hätte man zu spät von der Reform erfahren: "Man muss schließlich gut im Voraus planen".
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