"Hier steht das ganze System zur Diskussion"

8. Jänner 2008, 07:00
posten

Stationen einer Philosophin: Die bedeutendsten Arbeiten der feministischen Autorin Simone de Beauvoir in einer Ansichtssache

amazon buchcover/verlag rororo
Bild 1 von 6

"Sie kam und blieb"

"Es geht für die Frauen nicht darum, sich als Frau zu bestätigen, sondern um die Anerkennung als menschliche Wesen in jeder Hinsicht": Die Französin Simone de Beauvoir (1908-1986) ist mit ihren Büchern zu einer der führenden Philosophin und Literatin der europäischen Intellektuellenszene des 20. Jahrhunderts und zu der bekanntesten Feministin ihres Landes geworden.

In "Sie kam und blieb", ihrem 1943 erschienenen Erstling (deutsch: 1953), den sie eigentlich nie veröffentlichen wollte, verarbeitet de Beauvoir das Dreiecksverhältnis zwischen ihr, ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre und der jugendlichen Russin Olga Kosakievicz, die Beauvoir zum Philosohpiestudium ermutigte - ein Unterfangen, das scheiterte. Das enfant terrible , von de Beauvoir später in ihrer Autobiografie "Olga D." genannt, machte aus dem Duo ein Trio, ein de Beauvoir willkommenes Konzept, welches sie im Erleben aber zugleich mit Altern und Eifersucht konfronierte: "Es gibt etwas an der Eifersucht, dass vollkommen gültig und wahr ist. Wenn A mit B etwas erlebt hat, und B erlebt das gleiche mit Z, wird sich A selbstverständlicherweise ausgeschlossen fühlen; etwas Gemeinsames zerbricht, etwas Unersetzliches, das er mit B erlebt hat, wird zerstört."

In "Sie kam und blieb" unternimmt de Beauvoir keine Verhaltensanalyse; sie skizziert eine in ihrer energischen Offenheit neue Weiblichkeit, indem sie zwei gegensätzliche Frauencharaktere beschreibt. Neben "Der Ekel" von Sartre galt "Sie kam und blieb" schon im Herbst 1946 als Meisterwerk der existenzialistischen Literatur.
Share if you care.