"Lesben sind keine Frauen"

3. Jänner 2008, 10:49
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Monique Wittig: Ein Porträt der umstrittenen französischen Schriftstellerin und Philosophin

Mit ihrer Aussage "Lesben sind keine Frauen" ist die französische Theoretikerin in die feministische Geschichte eingegangen. Und hat sich damit nicht nur FreundInnen geschaffen. Indem Monique Wittig Heterosexualität als politisches System kritisierte, eines Systems, dem Lesben sich verweigern (müssten), hat sie den "Mythos Frau" verworfen. Denn eine "Frau", so erklärte sie, ergebe lediglich in heterosexuellen Denk- und Ökonomiestrukturen einen Sinn. Gleichzeitig wandte sie sich gegen die Feminisierung der Sprache, weil Geschlechterkategorien auch hier aufzuheben seien.

Doch auch aufgrund einiger ihrer Bücher und Aktionen sorgte die am 13. Juli 1935 in Dannemarie / Alsace geborene Monique Wittig zeit ihres Lebens für Aufsehen. Bereits 1964 erhielt sie für ihren ersten Roman "Opoponax", den Nathalie Sarraute und Marguerite Duras als "herausragend" bezeichnet haben, den renommierten französischen Literaturpreis Médicis.

Die Welt gehört uns

In ihrem literarischen Werk "Les Guérillères", erschienen 1969, lässt sie unabhängige Frauen verkünden: "Die Welt gehört uns". Übersetzt in viele Sprachen, trafen die Utopien der "Guérillères" mitten in die Aufbruchstimmung der feministischen, lesbischen Bewegungen der 1970er-Jahre und wurden sowohl für den Einfluss auf das individuelle Denken als auch für die sich in Frankreich etablierenden Frauengruppen - wie beispielsweise die Féministes Révolutionnaires - maßgeblich.

m 26. August 1970 legte Monique Wittig mit drei anderen Aktivistinnen am Pariser Triumphbogen einen Blumenstrauß "für die Frau des Unbekannten Soldaten" nieder. Dieses Datum wurde später als Beginn der feministischen Bewegung Frankreichs bezeichnet, wie Traude Bührmann im "Berühmte Frauen Kalender 2008" (Suhrkamp) schreibt. Diese bezeichnet übrigens auch das Erscheinen des Buches "Le Corps Lesbien", "ein Liebesgesang auf den lesbischen Körper in kraftvoller, experimenteller Sprache" als revolutionär. Das Werk wurde 1973 publiziert und ist in deutscher Sprache unter dem Titel "Aus deinen zehntausend Augen Sappho" erhältlich.

1976 ließ sich Monique Wittig mit ihrer Freundin Sande Zeig in den USA nieder. Gemeinsam brachten sie das "Brouillon pour un dictionnaire des amantes" (Lesbische Völker - ein Wörterbuch) heraus, das von Gabriele Meixner und Verena Stefan übersetzt worden ist. Zu dieser Zeit lehrte Wittig an Universitäten, verfasste theoretische Texte und Essays, auf die sich Queer-Bewegung und Gender-Debatte (u.a. Judith Butler) heute noch im Wesentlichen beziehen. 1992 übrigens gesammelt veröffentlicht in "The Straight Mind".

Ihr letzter Roman, "Virgil, non" erschien 1985 und ihr Theaterstück "Voyage sans fin" wurde in Paris aufgeführt. "Theater und Film, zusammen mit Sande Zeig realisiert, sind wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, zuletzt der Film The Girl, 2001. Im selben Jahr wird ein internationales Colloquium ihrem Werk in Paris gewidmet, 'ihrer' Stadt, die sie jeden Sommer besuchte und wo sie ihren langjährigen Freundinnen vom 'Ballett der Vögel in ihrem Garten in Tucson' erzählte...", schreibt Traude Bührmann.

Monique Wittig starb am 3. Januar 2003 in Tucson/Arizona. (red)

Publikationen:

  • Bourcier, Marie-Hélène / Robichon, Suzette. Hg. 2002. parce que des lesbiennes ne sont pas des femmes. Paris. Éditions gaies et lesbiennes.
  • Bührmann, Traude. Hg. 2003. In Memoriam Monique Wittig. Berlin.
  • Écarnot, Cathérine. 2002. L‘écriture de Monique Wittig. Paris. Hachette.
  • Shaktini, Namascar. 2005. On Monique Wittig. Theoretical, political, literary essays. Chicago. University of Illinois Press.
  • Special Monique Wittig. 1985. Paris. Revue Vlasta.

     

    • Monique WittigGeboren am 13.07.1935 in Dannemarie / AlsaceGestorben am 3. Jänner 2003 in Tucson /Arizona.
      Monique WittigGeboren am 13.07.1935 in Dannemarie / AlsaceGestorben am 3. Jänner 2003 in Tucson /Arizona.
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