EU-Wörterbuch für Migrantinnen

14. Jänner 2008, 14:15
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Im Integrations-Projekt "Mothers improve their Life Skills" geht es auch, aber nicht nur um Spracherwerb, wie die Präsentation in Graz gezeigt hat

Am Mittwoch wurden die Ergebnisse des Projektes MoLi in Graz präsentiert. An MoLi, kurz für "Mothers improve their Life Skills" (Mütter erweitern ihre lebenspraktischen Kompetenzen), haben Organisationen aus insgesamt fünf EU-Ländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Österreich, Schweden) mitgearbeitet, in jedem wurden mit den Teilnehmerinnen gemeinsam unterschiedliche Integrationsmodelle entwickelt. "In einem zweiten Schritt haben wir dann gemeinsam Bedingungen und Möglichkeiten erkundet, diese Ideen in größere Integrationskonzepte einzubinden", erklärt Doris Hoffmann, Leiterin des österreichischen Projekt-Teams.

Andere Länder, andere Ideen

Bei MoLi, das über das EU-Programm INTI (Integration of third country nationals) sowie vom BMSK und Land Steiermark gefördert wurde, geht es um mehr als den Erwerb von Sprachkompetenz. Folgende Schwerpunkte wurden in das Projekt eingebracht: In Deutschland werden die Mütter von Migrantinnen zu Deutschkursen in die Schulen ihrer Kinder gebracht, in den Niederlanden wird Müttern ein Sprachkurs angeboten, während die Kinder in der Schule sind, wobei in diesem Falle Erziehungsfragen die Kursinhalte bestimmen. In Schweden geht es um die Gesundheit: Ergänzend zu den Sprachkursen werden den oft traumatisierten Migrantinnen Gymnastikkurse und Physiotherapie angeboten. In Österreich wurde ein European Dictionary, also ein EU-Wörterbuch für Migrantinnen, erarbeitet.

Kein Überstülpen von Verhaltensweisen

Nun gehe es darum, dass diese unterschiedlichen Modelle auch im Rahmen von größeren Integrationsstrategien praktisch umgesetzt werden, so die Leiterin des österreichischen Projekts. Die GEFAS Steiermark war in Österreich gemeinsam mit dem Grazer Verein DANAIDA am Projekt beteiligt. "In unserer Arbeit haben wir gezielt Problembereiche ausgesucht, die für Frauen mit Migrationshintergrund Hürden im täglichen Leben darstellen können."

Dabei sei es nicht um ein Überstülpen von Verhaltensweisen, sondern um das Aufzeigen von unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten gegangen, betont Hoffmann. Im Kurs ging es neben einer Verbesserung der Deutschkenntnisse um die Vermittlung von Kompetenzen, die Migrantinnen mit Kindern im Alltag etwa bei Arzbesuchen, in Schulfragen oder in kulturellen Belangen unterstützen. Im Rahmen des EU-Projektes wurde auch ein eigenes Projekthandbuch erarbeitet, das allen Mitarbeiter/innen im Integrationsbereich unter www.moliweb.net kostenlos als Download zur Verfügung steht und einen kurzen Überblick über Erfahrungen, Ergebnisse und Vorschläge aus der Praxis bietet. Auch inkludiert: Beispiele der für das Projekt entwickelten Unterrichts- und Evaluationsmaterialien. (red)

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MoLi

 

  • MoLi-Projektleiterin Doris Hoffmann (re.) und Migrantinnen-Repräsentantin Senada Hussain aus Graz
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    MoLi-Projektleiterin Doris Hoffmann (re.) und Migrantinnen-Repräsentantin Senada Hussain aus Graz
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