Grünes Reich kommt nicht zur Ruhe

3. Februar 2003, 14:43
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Vorwürfe, Gerüchte, Dementi: Kein Ende der Führungskrise in Sicht - Zweikampf im Vorstand - Top-Managerin Gilhofer fühlt sich "diffamiert"

Wien/Wiener Neudorf - Astrid Gilhofer, Kovorstand in der den Palmers-Konzern kontrollierenden "P"-Beteiligungsholding, bricht ihr tagelanges Schweigen: "Die in verschiedenen Medien gegen mich geäußerten Vorwürfe und Unterstellungen sind haltlos. Vielmehr habe ich stets im Interesse des Unternehmens und der Aktionäre gehandelt", ließ die Managerin am Freitag aussenden - über eine eigene PR-Beraterin, nicht über die Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns. Denn diese gilt als "Humer- Land", als loyal zum 59-jährigen Palmers-Boss, dessen vorzeitige Ablöse von den wichtigsten Funktionen sie - angeblich - mit der Unterstützung des 60-jährigen Gründerenkels Christian Michael Palmers (intern "CMP" genannt) betrieben hätte.

Einsilbige Reaktion

Dementsprechend einsilbig war am Freitag die Reaktion des Konzerns: "Der Gang von Frau Gilhofer an die Öffentlichkeit wird zur Kenntnis genommen." Die Palmers-Führung wolle beruhigen und bitte "im Sinne des Unternehmens um Verständnis, "dass wir dazu keinen Kommentar abgeben".

Aus dem Konzern selbst dringen verschiedenste Informationen. Unter anderem auf derStandard.at (siehe unten) geifern (angebliche?) Mitarbeiter des Wäsche- und Strumpfkonzerns anonym gegen Gilhofer. Ihre Ablöse wurde als fix kolportiert, Anwälte seien eingeschaltet. Aus einer höheren Managementebene erreichte den STANDADRD hingegen die Nachricht, dass dies gar nicht so fix sei. Als Nachfolgerin ihres vormaligen langjährigen Mentors Humer sei sie zwar nicht mehr einsetzbar, CMP stehe aber nach wie vor zu ihr, heißt es. Ein Chefposten bei der Palmers AG soll "einzementiert" sein.

600 Millionen Euro

Kein unwichtiger Job: Denn zur Palmers AG gehören unter anderem die Modehäuser Braun am Wiener Graben sowie Stone & Blyth/Adlmüller. Künftig sollen darin dem Vernehmen nach die Immobilienaktivitäten eingebracht werden. Und mit Immobilien - kolportiertes Vermögen: 600 Millionen Euro - machte der Wäscheclan in den letzten Jahren wesentlich mehr Gewinn als mit dem Stammgeschäft Unterwäsche.

Bis zum Wochenende liefen jedenfalls die Beratungen weiter auf Hochtouren. Humer wird voraussichtlich im Laufe 2003 von diversen operativen Funktionen in Aufsichtsräte wechseln, aus freien Stücken, betont sein Umfeld. Humer geriet unter Beschuss wegen Problemen im rückläufigen Stammgeschäft sowie bei defizären Beteiligungen wie Gerngross oder Wolford.

Unangenehme Affäre

Dem Clan ist die Affäre unangenehm - abgesehen vom Imageschaden für die Marke. Seit der 1983 verstorbene Walter Palmers, Sohn des Gründers Ludwig, Ende der 70er- Jahre entführt wurde, ist man auf sicherheitsbedingte Diskretion bedacht. Witwe Gunilla Palmers (86) ist die Gande Dame, die entscheidenden Stimmrechte liegen bei der jüngeren Generation. Diese war teilweise entsetzt wegen des Vorgehens gegen den Vertrauten Humer, seit 1987 Firmenboss. Dessen Vater baute unter Walter Palmers das Rechnungswesen auf. Der Junior fungierte als einer der Geldboten bei der Entführung. (Leo Szemeliker/DER STANDARD Print-Ausgabe, 1.2.2003)

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