"Ich küsse Ihre Hand, Madame..."

22. Jänner 2008, 17:00
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25 Jahre später: Foto-Ausstellung von Gudrun Stockinger im Wiener HOSI-Zentrum ab 30. November zu sehen

Die Wiener Fotografin Gudrun Stockinger präsentiert seit 30. November Bilder aus ihrer legendären Fotoserie "Ich küsse Ihre Hand, Madame...", und zwar wieder im HOSI-Zentrum, dem Vereinslokal der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien im zweiten Wiener Gemeindebezirk, wo die gleichnamige Ausstellung schon vor 25 Jahren für Furore sorgte.

Über diese - "eine der mutigsten Ausstellungen der letzten Zeit" - schrieb damals Jana Wisniewski in der "Arbeiterzeitung" (vom 20.12.1982): "Liebe und Erotik unter Männern, ein Blick, eine Haltung, eine Bewegung auf der Straße, im Park, da werden Verhaltensformen und Beziehungsmuster offenbar, da ist nichts gestellt oder dick aufgetragen, man kann sich nur wundern, wie man so etwas mit der Kamera einfangen kann."

Stockinger hatte schwule Männer an jenen öffentlichen Orten (Parks, WCs) fotografiert, die für sie damals wie heute typischerweise Plätze der Kontaktaufnahme und Begegnung waren und sind. Und als Kontrapunkt dazu fotografierte sie die Männer in zärtlichen Posen vor Wiener Sehenswürdigkeiten. Es entstanden einfühlsame, Klischees zerstörende, aber durchaus auch verstörende Fotografien. Später wurde die Ausstellung vom Salzburger Rupertinum angekauft.


Beitrag zum Welt-AIDS-Tag 2007

Die 1982 entstandene Fotoserie kann mittlerweile als historisches Dokument aus jener kurzen Zeitspanne betrachtet werden, während der die damals noch sehr junge Homosexuellenbewegung Österreichs noch unbeschwert ihre ersten publikumswirksamen Aktivitäten und Aktionen setzen konnte, bevor sie kurz danach vor eine ihrer größten Bewährungsproben gestellt wurde: das Hereinbrechen der AIDS-Krise Mitte der 1980er Jahre.

Für die Fotoserie standen AktivistInnen und FreundInnen der HOSI Wien Modell. Viele von ihnen verstarben später an AIDS. Die neue Ausstellung bietet daher Gelegenheit, nicht nur nostalgisch in Reminiszenzen an die "gute alte Zeit" vor AIDS zu schwelgen, sondern sich auch dieser verstorbenen Freunde zu erinnern. Die Ausstellung versteht sich nicht zuletzt deshalb als ein Beitrag der HOSI Wien und der Fotografin zum Welt-AIDS-Tag 2007.

Im Rahmen der Neuauflage der Ausstellung werden - zum Teil als Polaroids - nicht nur damals gezeigte Fotografien präsentiert, sondern auch solche, die vor 25 Jahren nicht zu sehen waren. Ergänzt werden sie durch Aufnahmen, die das Entstehen der Fotoserie dokumentieren.

Die Ausstellung ist bis 22. Jänner 2008 bei freiem Eintritt zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen - Infos: www.hosiwien.at - sowie nach Vereinbarung zu sehen. (red)

  • Plakat der Veranstaltung
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