Hans Rauscher: Dichands Rolle als Alleinherrscher

12. Februar 2003, 15:03
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Nach einem Verhandlungsmarathon, der (zumindest für die Rechtsanwälte) bis in die frühen Morgenstunden dauerte, ist der Streit um die redaktionelle Verfügungsgewalt in der "Krone" nun laut Hans Dichand "vorläufig beendet". Es ist ein Kompromiss, der auf den ersten Blick eher zugunsten von Hans Dichand und zuungunsten von Erich Schumann, als Vertreter der WAZ, ausgefallen zu sein scheint. Dichand konnte sich mit seinem Wunsch durchsetzen, seinen Sohn Christoph ab Februar als Chefredakteur zu installieren.

Dagegen hat nun die WAZ das Recht, einen zweiten, geschäftsführenden Chefredakteur sozusagen als ihren Vertrauensmann zu berufen. Laut Einigungspapier sollte dieser zweite Chef-redakteur aus dem Kreis der leitenden Redakteure der "Krone" kommen. Geworden ist es der 65-jährige Sportjournalist Michael Kuhn.

Angesichts der Tatsache, dass praktisch alle in Frage kommenden Journalisten der "Krone" schon seit Jahrzehnten dort sind und unter Dichands gewaltiger Autorität ihre Karriere gemacht haben; dass Dichand selbst Herausgeber bleibt (der die Blattlinie in großen Zügen festlegt) und er seinen Einfluss nun eben über seinen Sohn ausüben könnte, der eher als Geschäftsmann Erfahrung hat, scheint sich da in der Praxis nicht viel geändert zu haben.

Dennoch könnte die neue Doppelkompetenz für die blattpolitische Linie in Zukunft von Bedeutung sein. Die so genannte "Personalhoheit", also die Kompetenz zum Heuern und Feuern von Journalisten, kann nur gemeinsam von den beiden neuen Chefredakteuren ausgeübt werden. Damit ist Dichands bisherige journalistische Alleinkompetenz erstmals aufgebrochen, zumindest vertraglich. Die WAZ wies in der Aussendung, mit der sie die Bestellung Kuhns mitteilte, darauf ausdrücklich noch einmal hin.

Weiter Hauptgeschäftsführer

Dichand bleibt auch weiter Hauptgeschäftsführer. Aber die Konstruktion ist so, dass er da mehr oder weniger ein Redaktionsbudget ("Agendum") verwaltet, das der "Krone" von der zentralen Managementgesellschaft Mediaprint zugeteilt wird (analog zum "Kurier"). Vertrieb, Anzeigen usw. liegen bei der Mediaprint; in deren Management sitzen zwar auch etliche "Krone"-Leute; und schließlich hat Dichand ja auch seine Funktion als Eigentümer: Er ist über den "Krone"-Anteil an der Mediaprint beteiligt und hat einen Sitz im so genannten "Gesellschafterausschuss", in dem unter den Eigentümern von "Krone" und "Kurier", also Dichand, WAZ, Raiffeisen, die strategischen Entscheidungen fallen (wobei er aber seit einem Jahr seinen Sohn dorthin entsendet).

Aber wenn die WAZ Dichand aufgrund des immensen Erfolges der "Krone", der hauptsächlich seiner ist, bisher weit gehend gewähren ließ, so hat sich nun psychologisch und rechtlich etwas geändert. Die WAZ will wohl mehr als bisher auf die Höhe des Redaktionsbudgets und seine Verwendung Einfluss nehmen (was letztlich auch ein inhaltliches Steuerungsmittel ist); und sie hat sich durch die neue Regelung erstmals ein massives Mitspracherecht auch in publizistischen Fragen gesichert.

Erich Schumann war immer schon irritiert über Inhalte der "Krone", die er selbst "arg nationalistisch und antisemitisch" nennt, und hat über die Jahre hinweg immer wieder bei Dichand interveniert. Mit begrenztem Erfolg: Was "Staberl" nicht mehr schreiben durfte, schreibt eben Wolf Martin.

Nun wird der Journalist, der als Vertrauensmann der WAZ eingesetzt wird, auf einem hauchdünnen Grat balancieren müssen. Aber das ändert nichts daran, dass Hans Dichands Rolle als journalistischer Alleinherrscher nun erstmals relativiert wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2003)

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