Kein Bein schmeckt wie das andere

2. März 2003, 23:00
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Das Max-Reinhardt-Seminar spielt Slawomir Mrozeks "Auf hoher See"

So aufmerksam und voll Liebe wird man vermutlich selten zu Slawomir Mrozeks Auf hoher See geführt. Ein Theater leistete sich für die Sterbensgroteske dreier Schiffbrüchiger schon einmal einen Totenkopf als "Besteck-Schublade". In der Arena des Reinhardt-Seminars in der Penzinger Straße aber erhielt ein jeder Zuseher einen mit Samtkordel geschmückten Menüplan. Man zeigt, was man hat - und kann. Und Johannes von Matuschka, der 29-jährige studierte Jurist und nunmehrige Regiestudent, kann etwas.

Er kann zum Beispiel die Tragweite eines Theatertextes auf den Punkt genau erfassen und darauf zuarbeiten, ihm aus dem Nichts (die Arena ist ein Minikuppelsaal ohne jedwede Bühnentechnik) einen Theaterraum zueignen, und: Figuren wachsen lassen. Nachdem der Klang des Donauwalzers die rundum an einer nobel gedeckten Tafel sitzenden Zuseher aufs offene Meer hinausgetragen hat, müssen die drei Schiffbrüchigen zum Zweck des Überlebens leider einen unter ihnen als Mahlzeit in Betracht ziehen. Gut gemacht.

Man fragt sich bloß, wo verschwindet der Nachwuchs nach Ausbildungsende immer hin? (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2003)

Max-Reinhardt-Seminar
nächste Premiere:
J. Genets "Die Zofen"
29. 1., 19:30
  • Wer schmeckt am besten? - Fredrik Hofmann, Mirko Roggenbock oder Michael Pascher (v. li.)?
    foto: reinhardt-seminar

    Wer schmeckt am besten? - Fredrik Hofmann, Mirko Roggenbock oder Michael Pascher (v. li.)?

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