Ballsaison: Die Wirtschaft frohlockt im Dreivierteltakt

24. Februar 2003, 15:56
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Zweimonatige Ballsaison bringt mehr Umsatz, als es Stronachs Kugel über das ganze Jahr geschafft hätte

Wien - Kongresse tanzen nicht mehr. Jedenfalls nicht so, dass die Wiener Hotellerie dem Balltourismus jenes Augenmerk gönnen würde, der dem Kongresstourismus schon lange zukommt.

Zwar ist bekannt, dass rund die Hälfte der 4600 Besucher des Opernballes eigens anreisen und deshalb um den Höhepunkt der Ballsaison die Hotels der Vier- bis Fünfsternkategorie in der Innenstadt ausgebucht sind. Welchen Anteil das Ballgeschehen am Wientourismus insgesamt hat, ist aber ungewiss. Zumindest, wenn es um Zahlen geht: "Uns ist natürlich klar, dass das Bild vom süßen Leben und von der Walzerstadt ein wesentlicher Faktor ist, aber wie sich die Ballsaison auf die Nächtigungsstatistik auswirkt, wissen wir nicht", heißt es beim Wientourismus - allerdings: Derzeit wird an einem Werkzeug gefeilt, mit dessen Hilfe in Zukunft auch solche Details erfass- und analysierbar sein sollen.

Wirt und Taxi umsatzstark

Einfacher hat es da schon die Wiener Wirtschaft bei der Bewertung des Walzergeschehens: Allein die großen Nobelbälle sorgten - so eine Studie aus dem Jahr 2001 - für eine halbe Milliarde Schilling (36,34 Millionen Euro) Umsatz bei Wirt, Taxi, Figaro & Co. Einer Untersuchung aus den späten 90er-Jahren zufolge schlagen die Geldströme während der eineinhalb bis zwei Monate Ballsaison mit ihren fast 400 Bällen alles, was die Besucher von Frank Stronachs Kugel übers Jahr dort an Geld in Umlauf gesetzt hätten.

Zu glauben, dass deshalb die Veranstalter der großen Bälle enorme Gewinne nach Hause tragen, wäre verfehlt. Gerade bei größeren und "besseren" Bällen sind die Fixkosten längst so hoch, dass die meisten Veranstalter froh sind, wenn neben dem Imagegewinn eine "rote Null" herauskommt.

Blumenschmuck beginnt bei 12.000 Euro, Kapellen gibt es (trotz verstärkter Konkurrenz aus Osteuropa) nicht unter 8000 Euro und die großen Säle haben längst Exklusivverträge mit Cateringbetreibern geschlossen, sodass den Veranstaltern kaum die Möglichkeit zum Mitnaschen bleibt. Große Portionen schlagen sich aber auch Stadt und Finanzministerium in den Bauch. Freilich: Bei kleineren Bällen, wo der Aufwand weniger immens ist, sieht das anders aus - dafür glänzen sie weniger. (rott/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2003)

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