Brustzentren: Österreich hinkt europäischen Standards hinterher

31. Jänner 2008, 22:27
3 Postings

Grazer FGZ kritisiert Qualitätsunterschiede und plädiert für Einhaltung der "EUSOMA-Kriterien" - Operationszahlen transparent machen

Graz - Rund 4.700 Frauen erkranken in Österreich jährlich an Brustkrebs. Rund 1.600 Patientinnen sterben pro Jahr an dem Leiden. "Nicht überall haben Frauen die Gewissheit, auf höchstem medizinischen Niveau behandelt zu werden", meinte dazu Sylvia Groth vom Frauengesundheitszentrum Graz. Sie fordert insbesondere für die österreichischen Brustzentren die Übernahme der Qualitätsstandards, wie sie von der European Society of Mastology (EUSOMA) vorgegeben werden.

Qualitätsunterschiede

"Mehr als 131 Krankenhäuser führen in Österreich Brustkrebsoperationen durch, aber die Qualität der Häuser ist unterschiedlich", schilderte Groth die aktuelle Situation im Gespräch mit der APA. Die europaweite Etablierung von hochwertigen, qualitätsgesicherten Brustzentren ist erklärtes Ziel der European Society of Mastology (EUSOMA), die im Jahr 2000 für die Therapie und Nachsorge des Brustkrebs im Jahr 2000 entsprechende Qualitätsstandards präsentiert hat.

Mit den "Requirements of a specialist breast unit" - die auch in die neuen EU-Leitlinien 2005 aufgenommen wurden - sei der höchste Standard für die Behandlungskette von der Früherkennung bis zur Nachsorge gesichert. Diesen wünscht sich Groth auch für Österreich: "Im Sinne der Frauen ist es wichtig, in Österreich Brustzentren einzurichten, die den EUSOMA-Kriterien entsprechen. Ein entscheidender Schritt dazu sei es, dass diese Idee überhaupt in den Strukturplan Gesundheit (ÖSG) aufgenommen wird, was auch das Netzwerk der österreichischen Frauengesundheitszentren fordert.

Brustkrankenschwester

EUSOMA verlangt von den Spitälern u.a. eine kritische Größe (d.h. mindestens 150 Operationen von erstdiagnostizierten Brustkrebsfällen jährlich, 50 Eingriffe pro ChirurgIn jährlich). Weiters wird die Kooperation von ExpertInnen verschiedener Fachrichtungen bis hin zur "Brustkrankenschwester" gefordert. Sie gibt auch Richtlinien für die notwendigen Einrichtungen in einem Brustzentrum und für die psychologische Betreuung vor und fordert eine lückenlose Dokumentation, wöchentlich stattfindende prä- und postoperative Tumorkonferenzen, eine umfassende Patienteninformation sowie die Integration aktueller Forschung in die Therapiekonzepte.

Bessere Behandlungsergebnisse

"Patientinnen sollten wissen, dass sie nur in EUSOMA-zertifizierten Brustzentren sicher auf die Qualität ihrer Behandlung vertrauen können. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass in hoch spezialisierten Brustzentren mit entsprechendem fachlichem Know-how bessere Behandlungsergebnisse und Überlebensraten erzielt werden können", so die Medizinsoziologin.

Operationszahlen transparent machen

Frauen werde es in Österreich jedoch nicht einfach gemacht, sich bewusst für ein bestimmtes Krankenhaus, bzw."Brustzentrum" zu entscheiden: "Die Operationszahlen müssten transparent gemacht werden", so Groth. Und: "Der Titel 'Brustzentrum' ist kein geschützter Begriff. Er garantiert nicht, dass drin ist, was drauf steht". In Österreich gibt es durch die Deutsche Senologische Gesellschaft in Anlehnung an EUSOMA zertifizierte Brustzentren in Innsbruck, Salzburg und Linz. (APA)

  • Groth warnt: "Brustzentrum" ist kein geschützter Begriff.
    jim bourg
    Groth warnt: "Brustzentrum" ist kein geschützter Begriff.
Share if you care.