Zweisprachige Harmonie

7. April 2008, 16:16
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Stefanie Quantschnig ist Kärntner Slowenin und Bürgermeisterin in Ludmannsdorf. In ihrem Gemeinderat gibt es fünf Fraktionen - und kein Problem mit Zweisprachigkeit

Ludmannsdorf - Kärnten, sagt man, sei ein Land der Mütter. Sie regierten gewissermaßen hinter den Kulissen. Die Männer mögen sich draußen hinstellen und das Kommando führen: Am Ende geschehe doch, was die Frauen insgeheim wollten. Stefanie Quantschnig wollte freilich immer mehr sein als eine treibende Kraft im Hintergrund.

1990 schaffte sie das kaum Mögliche: Die engagierte Sozialdemokratin, die ihre Wurzeln in der slowenischen Volksgruppe niemals verleugnete, schaffte es, die erste Bürgermeisterin Kärntens in Ludmannsdorf/Bilcovs zu werden.

Dabei war das 1990 gar nicht so einfach gewesen, stand damals doch die eingeschworene Männerriege in der Kärntner SPÖ noch ganz unter dem Eindruck des unaufhaltsamen Aufstieges des Rechtspopulisten Jörg Haider, der gerade seine erste Amtszeit als Landeshauptmann absolvierte. Eine Frau, und noch dazu eine Kärntner Slowenin als Gemeindechefin, das erschien so manchem Genossen als unerhörte Provokation.

"Es gab ein kurzes Murren, dann haben sie mich akzeptiert", erinnert sich "Steffi" Quantschnig heute zurück: "Ich habe gesagt, wir können nicht nur von Frauenemanzipation reden, wir müssen auch danach handeln." Damit sei der Fall erledigt gewesen. Seit 17 Jahren ist sie nun Gemeindeoberhaupt, und niemand kann und will sie sich wegdenken in der 1850 Einwohner zählenden Gemeinde im Rosental nördlich der Drau.

Volksgruppenkonflikte, die im Siedlungsgebiet der Kärntner Slowenen immer wieder aufflackern, habe es in ihrer Gemeinde unter ihrer Führung nie gegeben. "Wir erleben das Slowenische als Bereicherung." Das Wort "Minderheit" kommt ihr dabei nicht über die Lippen: "Die Abwertung fängt schon in der Sprache an." In Ludmannsdorf sei es selbstverständlich, dass beide Volksgruppen friedlich miteinander leben.

Das Ineinanderfließen der beiden Kulturen könne man am besten in der typisch schwermütig-melodischen Klangfärbung der deutschen und slowenischen Lieder erfahren", sagt Quantschnig. Im Ort gebe es ergo einen deutsch- und einen slowenischsprachigen Chor.

Natürlich ist das öffentliche Leben in Ludmannsdorf zweisprachig: Ortstafeln, Kindergarten, Volksschule, Amtshaus. Sogar die Tochter des einzigen freiheitlichen Gemeinderats hat einen Slowenischkurs besucht. Und wenn die Frau Bürgermeister im Amt slowenisch angesprochen wird, antwortet sie auch in ihrer zweiten Muttersprache: "Als Bürgermeisterin hat man eben auch Visionärin zu sein."

Vom Endlosstreit um zweisprachige Ortstafeln in Kärnten zwischen Jörg Haider und Bundesregierung und Verfassungsgerichtshof in Wien lässt sich Quantschnig in ihrer "Mustergemeinde" nicht beirren, auch nicht von den männlichen Bürgermeisterkollegen ihrer Partei, die immer noch mit dem Antislowenenreflex politisches Kleingeld sammeln. Können Politikerinnen also mit Konflikten besser umgehen? Quantschnig, die mit fünf Fraktionen im Gemeinderat regiert: "Frauen versuchen, die Glut zu löschen, bevor ein Brand entsteht, und sie machen auch nicht gleich aus jeder Mücke einen Elefanten." (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe 07.11.2007)


  • Quantschnig: "Frauen löschen die Glut, bevor ein Brand entsteht."
    eggenberger
    Quantschnig: "Frauen löschen die Glut, bevor ein Brand entsteht."
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