Fiftitu%: Neubesetzungen im oberösterreichischen Kulturbereich fest in Männerhand

2. Februar 2003, 10:28
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Fiftitu% ist eine Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in Oberösterreich. Im folgenden handelt es sich um einen "offenen Brief" von Fiftitu%, der die Neubesetzungen im Kulturbereich des Landes OÖ und der Stadt Linz zum Thema hat:

20.jänner 2003

Wie sie sicherlich alle wissen, werden in den nächsten Monaten zahlreiche wichtige Funktionen im oö. Kulturleben sowohl im städtischen Bereich, als auch in den Bereichen des Landes OÖ neu besetzt. Einige dieser Stellen wurden bereits besetzt, wobei wir uns natürlich sehr über die einzige weibliche Nachbesetzung, die neue Leiterin des Ursulinenhofes freuen.

Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Landeskulturdirektion die ersten zwei Ebenen (bis auf das Rechnungswesen) ausschließlich männlich besetzt sind und weder für die Nachfolge von Reinhard Mattes (siehe Artikel von Birgit Thek oö. Volksblatt, 15. 01. 2003), der die Stelle des Landeskulturdirektors übernommen hat, noch für die Nachfolge des Landesarchivdirektors eine weibliche Nachbesetzung im Gespräch ist. Auch alle Leitungsstellen der Kultureinrichtungen des Landes OÖ sind von Männern besetzt. Die Leitung des Stifter-Instituts wird mit 2004 frei, aber hier ist ebenfalls zu befürchten, dass die Nachfolge wieder unter Männern ausgemacht wird.

Die selbe Situation zeigt sich im Kulturamt der Stadt Linz. Auch die Kultureinrichtungen der Stadt Linz sind zu 100 Prozent in "fester = männlicher" Hand. Die Nachbesetzungen der Leitungsposten der Neuen Galerie, der Städtischen Bibliothek und des AEC bieten eine Chance dieses Muster zu durchbrechen, die von den Verantwortlichen unbedingt genützt werden muss, da es in gerade in diesen Bereichen eine große Anzahl an kompetenten Frauen gibt.

Wir fordern hiermit die verantwortlichen PolitikerInnen auf, offensiv eine gleichberechtigte Neubesetzungspolitik zu betreiben und die verschiedensten Ebenen sowohl im den Kultureinrichtungen als auch in der Kulturverwaltung zu 50% mit Frauen zu besetzen*. Es kann nicht angehen, dass OÖ bei der Benachteiligung von Frauen im Berufsleben schon jetzt über dem Bundesdurchschnitt liegt (siehe Artikel von Kerstin Scheller im Standard 15.01.2002).

Wenn die ArbeiterInnenkammer von der Politik Maßnahmen zur besseren Geschlechterdurchmischung auf allen Ebenen fordert, dann sollten die Verantwortlichen natürlich in den eigenen Reihen und Einrichtungen beginnen.

Die Ausreden "es gibt ja keine Frauen..." werden wir diesmal nicht hinnehmen. Es liegt im Vermögen bzw. Unvermögen der Verantwortlichen, Frauen für diese Stellen zu suchen und zu finden.

Weiters weisen wir darauf hin, dass es schon beinahe unerträglich ist, dass für die konzeptionelle Gestaltung der Klangwolke (visuell und musikalisch) bisher ausschließlich Männer beauftragt wurden, hinzu kommen die FestrednerInnen des Brucknerfestes, die zu 89% aus Männern bestehen.

Zudem fordern wir auch jetzt schon eine gleichberechtigte Einbindung von Frauen bei den Überlegungen für eine Kulturhauptstadt 2009 - damit Linz auch hier eine fortschrittlichere Position einnehmen kann als Graz 2003.

Mit freundlichen Grüßen FIFTITU% Herta Gurtner Geschäftsführerin

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