"My Big Fat Greek Wedding": Die heile Welt als Obstsalat

23. Juli 2004, 11:07
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"My Big Fat Greek Wedding", kommerziell der Überraschungserfolg des US-Kinojahrs 2002

Wien - Wir sind alle Obst! Eine Weisheit, die das Leben schreibt oder zumindest eine, die ein griechischer Familienvater aus selbigem ableitet. Eine Hilfskonstruktion jedenfalls, die ihm erlaubt, die Hochzeit seiner Tochter mit einem White Anglo Saxon Protestant gutzuheißen. Wo nämlich der eine Familienname auf das griechische Wort für Orange zurückgeht und der andere auf jenes für Apfel, rückt schließlich das Allgemeinmenschliche in den Vordergrund. Und das verbindet.

My Big Fat Greek Wedding war der Überraschungserfolg des US-Kinojahrs 2002. Er überholte The Blair Witch Project als kommerziell erfolgreichsten Independentfilm und bei einem Budget von fünf Millionen US-Dollar spielte er alleine in den USA inzwischen über 230 Millionen ein.

Der Film ist eine Romantic Comedy und seine Handlung, die aus der Konfrontation unterschiedlicher Kulturen oder Milieus und den daraus entstehenden Konflikten komischen Mehrwert schöpft, erinnert etwa an The Wedding Banquet, an Moonstruck oder an das letzte Meg-Ryan-Vehikel Kate & Leopold.

Hier werden nun, dem Titel entsprechend, andere kulturelle Klischees gemolken - als da etwa wären: Griechen sind laut und machistisch, ihre Frauen haben ein Faible für den "big hairdo". Arbeits- wie Privatleben spielen sich bevorzugt in großfamiliären Gemeinschaften ab, und wenn nicht gearbeitet wird, dann wird in ebendiesem Rahmen getanzt oder Ouzo getrunken.

Der Film basiert auf einer One-Woman-Show von Autorin und Hauptdarstellerin Nia Vardalos. In der Leinwandfassung wirkt die Vorlage, von der man zumindest annehmen möchte, dass sie ursprünglich etwas mehr Dynamik und Tempo hatte, allerdings extrem zurückgenommen.

Regisseur Joel Zwick, der unter anderem TV-Serien wie Mork & Mindy, Full House oder Step by Step inszenierte, hält sich an konventionelles Erzählen. Toulas Familienvergangenheit wird schnell in ein paar Rückblenden gerafft, wenn sich Veränderungen vollziehen, dann arrangiert Zwick eine episodische Sequenz zu gefälliger Musik.

Probleme werden angedeutet, um im nächsten Moment auch schon gelöst oder besser nivelliert zu werden, und möglicherweise ist in diesem Überspielen von Konflikten auch der Publikumserfolg des Films mitbegründet. My Big Fat Greek Wedding schafft sozusagen Tatsachen, anstatt dass er Dinge sich entwickeln ließe. Und nicht nur die Liebesgeschichte zwischen Toula und Ian bleibt somit schwer nachvollziehbar. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2003)

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