Christoph Dichand

12. Februar 2003, 15:01
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Geschäftsmann und Jurist wird "Krone"-Chef

"Dass vom künftigen Chefredakteur von Österreichs auflagenstärkster Zeitung kein offizielles Foto existiert, macht selbst das Wiedererkennen schwer, sollte man ihm tatsächlich einmal begegnen", schreibt die Austria Presse Agentur über Christoph Dichand. Tatsächlich ist die Porträtlage um den jüngsten Sohn von Hans Dichand auch inhaltlich prekär: Außer einigen wenigen, meist auch noch klischeehaften Beschreibungen ist über ihn wenig überliefert: Er sei total "unauffällig, spricht immer leise", sei, bescheiden, "das Phantom der Krone", "ehrgeizig". Dass er seit fast einem Jahr mit Eva, einer Prokuristin, verheiratet ist, ist offiziell unbekannt.

Für den promovierten Juristen (Titel der Doktorarbeit: "Der Persönlichkeitsschutz im Medienrecht"), der mit nur 37 Jahren die redaktionelle Führung übernehmen soll, mag das wie eine bittere Ironie erscheinen - schließlich gehört es zum Erfolgsrezept des Massenblattes, mit oberflächlichen Stereotypen über Menschen die Auflage zu pushen.

"Er ist ein ruhiger, geradliniger und zurückhaltender Mensch, der aber genau weiß, was er will", sagt ein enger Freund über Christoph Dichand. Ein introvertierter "Schüchti", wie manche glaubten, der unter einem übermächtigen Vater und Zeitungszaren leide, das treffe auf ihn wahrlich nicht zu.

Sein bisheriger Lebensweg zeigt einen vielschichtigen Menschen, markiert deutlich den Unterschied zwischen Vater und Sohn: Der "Alte" ist "gelernter" Journalist. Der Junge hat in Bestzeit studiert, spricht gut Englisch und Französisch, verfügt über solide Wirtschaftskenntnisse und hat mit dem Internet- Auktionshaus Onetwosold, dem Kauf des Dorotheum und der Übernahme des Hilton mit den Soravia-Brüdern seine Hauptader bewiesen: "Er ist ein harter Kaufmann, dem Journalismus Spaß macht", wie ein Partner feststellt.

Einer, der über seine Erfolge und sich selbst aber diskret schweigt. "Jemand, der zurückhaltend ist, kann auch sehr bestimmt sein", sagt Hans Dichand. "Da ist er wie ich", ergänzt er - und wenn es dann aus ihm nur so heraussprudelt bei der Beschreibung seines Jüngsten (neben Johanna und Michael), dann wird klar, dass er mehr als nur einen fähigen Manager auswählte.

Als Christoph klein war, hat Hans Dichand ihm am liebsten Peter Rosegger vorgelesen, "das hat ihm gefallen, wie die erstmals mit der Eisenbahn gefahren sind". Heute fährt Christoph einen alten Porsche, segelt, treibt viel Sport, ist topfit, geht boxen. Dass er Journalist wurde, sei "bei der Familie" keine Überraschung, sagt Hans Dichand, und er kündigt an, dass die Krone auch weiterhin familiär weitergeführt wird: "Wenn er mich braucht und das will, bin ich da. Aber am 1. Februar, wenn er antritt, wird er allein Chefredakteur sein." (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2003)

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