"Wir werden immer schöner"

15. Februar 2003, 01:13
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Gertrud Lehnert begibt sich auf die Spur lesbischer Inszenierungen

Schwere Schuhe, Jeans, Lederjacke, sicher keine Handtasche ... also lesbisch?! Frau sagt, Lesben seien so zu erkennen, am Outfit, an der fehlenden (Selbst)Inszenierung oder eben deren einziger lesbischer. So fällt nach dem ersten flüchtigen, vielleicht gar nicht wahrnehmenden Blick bei derartiger Erscheinung das zweite Hinschauen genauer aus. Denn manchmal hat es schon was, dieses Klischee, das dann aber doch alle verneinen würden, oder viele zumindest. Mode, Stile, Wert auf Aussehen ziehen sich durch; durch Gesellschaft und Schichten, prinzipiell, sind bei Lesben mehr als (frühere) Butch-Femmes-Inszenierungen und -Identitäten. Ja, die Bankiersfrau nebenan ist lesbisch, ohne dem Klischee zu entsprechen.

Doch hält sich die Schublade bedächtig, die Outfit-Schublade für lesbische Frauen. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Gertrud Lehnert ist in ihrem neuen Buch "Wir werden immer schöner" dem Thema Lesben und Schönheit nachgegangen. Sie hat mit zahlreichen Frauen gesprochen, u.a. einer Modeschöpferin, Tangolehrerinnen, Medienfrauen, einer Boxerin; eine Vielfalt an Porträts persönlicher Ansichten, Stile, Modedenkens ... und viel lesbischer Identität bzw. der Frage, was diese sein könnte. Lesbische Mode-Geschichte, Modefotografie und Lesben im Film kommen dabei nicht zu kurz. Styling ist geschichtlich wichtiger geworden, Identitäten sind schon lange nicht mehr unveränderbar und die früher "klassisch lesbische Variante" steht als modischer Stil für alle zur Auswahl. (dy)

Gertrud Lehnert.
Wir werden immer schoener.
Lesbische Inszenierungen.
Verlag Krug & Schadenberg, Berlin 2002.
191 S. / 18,50 EUR.
ISBN 3930041316.
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