"Uzumaki / Spiral": Schwindelfrei im Schleudergang

27. März 2005, 00:11
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In "Uzumaki / Spiral" verarbeitet der japanische Regisseur Higuchinsky ein bizarres Horror-Manga von Junji Ito

Der Debütfilm des japanischen Regisseurs Higuchinsky, "Uzumaki / Spiral", die Adaption eines bizarren Horror-Mangas von Junji Ito, erzählt mit einiger visueller Erfindungslust von einer dörflichen Gemeinde, deren Bewohner der Sogkraft von Wirbelformen erliegen.


Wien - Bei manchen Motiven fällt ihr häufiges Auftreten erst auf, wenn man bewusst nach ihnen sucht: Spiralen - oder dem Titel des japanischen Horrorfilms Uzumaki näher: Wirbel - lassen sich in verschiedensten Ausformungen in der Natur oder auf alltäglichen Gegenständen entdecken. Unheimlich ist an ihnen zunächst wenig - außer dem Umstand, dass einen der Schwindel befällt, so man zu lange auf sie starrt.

In Higuchinskys Debütfilm beginnen die Wirbel jedoch zu wuchern, und sie ergreifen von Menschen Besitz. Es fängt, wie fast immer in diesem Genre, mit einem Präzedenzfall an: Ein Mann (Ren Osugi, bekannt aus Filmen Takeshi Kitanos) verändert sich, scheint besessen von dieser Form; er filmt Schnecken, stiehlt Tafeln, auf denen sich Spiralen drehen, dann rollt er eines Tages dämonisch die Augen, bis er sich zuletzt im Schleudergang der Wasch-maschine zu Tode wirbelt.

Uzumaki/Spiral ist die Verfilmung eines Horror-Mangas von Junji Ito, einem der prominentesten Vertreter dieses populären Fachs, der gleich mit seinem Debüt Tomie - über eine Frau, die zerstückelt wurde und sich immer wieder neu zusammensetzt - einen Serienhit gelandet hat.

Higuchinsky verhält sich insofern werktreu, als er die comichafte Stilisierung der Vorlage übernimmt: Der - auf Video gedrehte - Film ist in grünblaue Farben getaucht, auch das Tempo wird ständig variiert. Unorthodoxe Kamerawinkel, grafische Elemente und Überblendungen oder auch animierte Himmelsformationen - der Rauch einer Einäscherungsanlage etwa hängt spiralenförmig über der Stadt - verleihen den Bildern insgesamt zeichnerische Qualitäten.

Erzählerisch bleibt Uzumaki jedoch hinter seinem optischen Erfindungsreichtum zurück: Higuchinsky malt zwar mit Humor die umfassenden Veränderungen in einem Dorf und der nahe gelegenen Stadt aus, wo Menschen zu Riesenschnecken mutieren und sich krude Selbstmordarten häufen; er schöpft jedoch nur bedingt Spannung daraus, weil die Gegeninitiativen der Hauptfiguren, ein Teenagerpaar und ein Journalist, nebulös verlaufen und Erklärungsmuster beinahe gänzlich ausgeblendet werden.

Irgendwann dreht sich Uzumaki somit nur noch um die eigene Achse und vergisst über seiner Faszination für Wirbel und einzelne Schockmomente, den Zuschauer mit in den Mahlstrom zu ziehen: Andererseits beweist der japanische Horrorfilm, der ja in den letzten Jahren, rund um Hideo Nakatas Ringu-Zyklus, einen wahren Boom erlebt, selbst da noch Originalität, wo er ein wenig redundant wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5./6.1.2003)

Von
Dominik Kamalzadeh

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Polyfilm Verleih



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  • Die Windungen einer Spirale lauern an den alltäglichsten Orten: In Higuchinskys Horrorfilm "Uzumaki/Spiral" ziehen sie die Menschen in ihren Bann - und schließlich auch in den Tod.
    foto: polyfilm

    Die Windungen einer Spirale lauern an den alltäglichsten Orten: In Higuchinskys Horrorfilm "Uzumaki/Spiral" ziehen sie die Menschen in ihren Bann - und schließlich auch in den Tod.

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