Was 2002 alles nicht passiert ist

7. Februar 2003, 14:22
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Alljährlich ein Grund zur Schadenfreude: der Rückblick auf Fehlprognosen - von Bundeskanzlerin Angela Merkel bis zum Vulkanausbruch in Deutschland

Heidelberg - Verona Feldbusch müsste eigentlich bald im Mutterglück schwelgen und sich im Windeln Wechseln üben. Denn für April oder Juli 2002 haben Astrologen eine Schwangerschaft bei der ehemaligen Miss Germany und Ex-Frau von Dieter Bohlen vorhergesehen. "Auch für Boris Becker und Ex-Frau Barbara standen angeblich die Sterne günstig", sagt der Soziologe Edgar Wunder, Geschäftsführer des Forums Parawissenschaften in Sandhausen bei Heidelberg. Nach dem Horoskop der Astrologin Patricia Schwennold hätten sie im Jahr 2002 wieder zusammenfinden müssen.

Seit 1990 hat Wunder 1.264 astrologische und andere Prophezeiungen auf deren Trefferquote hin ausgewertet. "Nur vier Prozent stellten sich als zutreffend heraus", sagt der Wissenschafter. Vor allem die deutsche Bundestagswahl hat die Zukunftsdeuter in diesem Jahr zu Vorhersagen gereizt. So sagte die Münchener Astrologin Monika Piper-Albach Ende Juli 2002 vorher: "Der nächste Kanzler heißt Merkel". Denn die "gesehenen" Wahlergebnisse ließen nur eine Große Koalition zu, zu der weder Edmund Stoiber noch Gerhard Schröder bereit seien.

Auch der Astrologe Wilfried Pauk sagte in der Zeitschrift "Sternzeit" eine Große Koalition voraus, in der Angela Merkel als Vizekanzlerin fungiert. Schlecht sah es danach für die Grünen aus. Diese würden erheblich an Boden verlieren.

Der Münchener Star-Astrologe Winfried Noe lag dagegen mit seinen Prophezeiungen im Wesentlichen richtig. Bereits am 20. Jänner dieses Jahres hatte der Sternendeuter auf seiner Homepage Schröder als alten und neuen Kanzler ausgemacht. Auch wenn Stoiber ein starker Gegner sei, wende sich das Blatt Ende August zu Gunsten Schröders. "Gute Auslösungen des Kanzlers machen Stoiber schwer zu schaffen und weisen Stoiber in die Schranken", hieß es in dem Horoskop. Unklar war jedoch, was die "guten Auslösungen" sein würden. Allerdings habe Noe die FDP sicher mit in der nächsten Regierung gesehen.

Der Hamburger Astrologe Karl Trimborn lag mit seinen Vorhersagen zumindest zeitweise mit den Daten der Meinungsforschungsinstitute gleich. Drei Wochen vor der Wahl sah er Schröder zwar als Kanzler voraus, jedoch nur mit Hilfe der PDS-Stimmen.

Bei anderen Zukunftsdeutungen bekam man es regelrecht mit der Angst zu tun. So sagte der Astrologe Michael Allgeier in der Zeitschrift "Sternbild" vorher, dass es Anfang Juni 2002 eine "beinahe gleiche Konstellation wie in den Tagen um den 11. September 2001" geben werde. Patricia Schwennold prognostizierte für 2002 gar einen Terroranschlag auf das NATO-Hauptquartier in Brüssel und auf den Berliner Reichstag.

Auch bei der Vorhersage von Naturkatastrophen konnte die Astrologin wenig Gutes sehen. So erkannte sie ein "schweres Erdbeben im Raum Aachen". Der "Seher" Hans J. Andersen sagte für Ostern 2002 sogar einen Vulkanausbruch in der Eifel vorher. "Treten solche Vorhersagen nicht ein, werden diese oft auf das nächste Jahr verschoben", sagt Wunder.

Glücklich kann sich schätzen, wer nicht auf astrologische Vorhersagen über die wirtschaftliche Entwicklung vertraut hat. So prophezeite Allgeier einen Aufschwung. Von Oktober bis Dezember 2002 finde sich ein "besonders mächtiger und schöner Winkel" am Himmel. "Damit wächst die Chance, auch aus tiefsten Krisen wie Phönix aus der Asche emporzusteigen", so der Sternendeuter. Insbesondere die Automobilindustrie werde weiter boomen und hohe Umsätze erzielen.

Mehr Vorhersageglück hatten die Zukunftsdeuter bei der Fußball-WM. So prognostizierte die Wahrsagerin Petra Reiter richtig, dass Brasilien den WM-Pokal erringen wird. Der Wahrsager Rei Souli setzte dagegen jedoch auf die spanische Mannschaft. Deutschland wurde von ihm nicht als Vize-Weltmeister gesehen. Nach seinen Vorhersagen hätte das Team um Rudi Völler bereits gegen Kamerun in der Vorrunde scheitern müssen.

Laut Wunder tut man den Astrologen jedoch Unrecht, wenn man ihnen unterstellt, konkrete Ereignisse in der Zukunft sehen zu können. Die Mehrheit der Astrologen lehnten konkrete Ereignisvorhersagen als unseriös ab. Nur etwa zwei Prozent aller Sternendeuter würden sich auf solche überprüfbaren Zukunftsdeutungen einlassen. "Stattdessen sind Charakteranalysen und Hilfestellungen zum Beispiel bei Partnerproblemen gefragt", sagt Wunder.(AP)

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