Koffer und Ledertaschen lassen im LVMH-Konzern die Kassen klingeln

30. Dezember 2002, 20:07
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Louis Vuitton ist heute das Zugpferd im LVMH-Konzern. Das Geschäft mit Koffern, Lederwaren und Mode boomt, wogegen die übrigen Sparten, wie Schmuck oder Getränke, stagnieren.

Blitzlichter, Leibwächter, Abschrankungen - und ein riesiger Vorhang vor einer Hausfassade der Champs-Elysées: An diesem Abend ist vorgesorgt, dass die Passanten auf der Pariser Prachtavenue stehen bleiben. "Da ist er", raunt die aufgeregte Pressedame und zeigt auf einen braun gebrannten Mann in Schwarz, der sein breites Lächeln in die Kameras hält: Bob Wilson, der "geniale" Theaterregisseur aus Übersee, der für Louis Vuitton eine Kollektion von grellfarbenen Ledertaschen und anderen Accessoirs entworfen hat.

Zu lautem Techno-Crescendo mit dem Firmenrefrain "Lou-is-Vuit-ton" fällt endlich der Vorhang. Während die Touristen die Auslage bestaunen dürfen, bittet Bernard Arnault seine Gäste zur Feier des Events in das luxuriöse Ladeninnere. Der Chef von Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) begutachtet die Schuhe, Kleider und Accessoires und streicht sanft über eine orange Schultertasche mit rosa Streifen.

Vuitton ist gefragter denn je

Hört der elegante "Patron" mit dem Eiszapfencharme schon die "Kassen klingeln", wie die Pariser Presse maliziös vermutet? Klingeln werden sie auf jeden Fall - Louis Vuitton ist gefragter denn je; das Pariser Hauptgeschäft limitierte sogar die Anzahl gekaufter Artikel pro Person.

Auf den Champs-Elysées halten Japanerinnen während der Ladenzeiten sogar Passanten an und bitten sie mit ein paar großen Euroscheinen, für sie im Luxusgeschäft ein Produkt mit dem LV-Monogramm zu kaufen. Dabei könnten die Kundinnen aus Tokio in der eigenen Stadt shoppen: Anfang September eröffnete Louis Vuitton dort in bester Lage ein 3300 m² großes Geschäft. Die Kunden warteten am ersten Tag in einer zwei Kilometer langen Schlange.

Erfolg in Japan

LV-Artdirector Marc Roberts sinniert gerne, ob der Erfolg in Japan nicht damit zu tun habe, dass Louis Vuitton eine Lotusblüte zum Emblem habe. Die Wahrheit ist wohl profaner, das heißt kalkulierter. Vor gut fünf Jahren verschrieb Bernard Arnault der 1854 gegründeten Marke eine radikale Verjüngungskur und holte mit dem New Yorker Roberts einen Trenddesigner - wie er auch bei Dior, Givenchy, Céline oder Loewe Jungtalente einsetzt. Sie liften die etwas altbackenen Marken, und Arnault liefert das weltweite Marketing dazu. So werden alte Markenzeichen zu globalen Trendobjektiven stilisiert. Louis Vuitton trägt man nicht mehr als Aktenköfferchen zum Nadelstreifenanzug; LV trägt frau heute zu den gerade angesagten Turnschuhen und einem Vuitton-Ührchen.

Die Rechnung geht auf. Louis Vuitton ist heute das Zugpferd des LVMH-Konzerns, der als weltweite Nummer eins der Luxusbranche unter der Wirtschaftsflaute seit dem 11. September leidet. Anleger schätzen, dass LV heuer zwei Drittel zum Betriebsergebnis des Gesamtkonzerns beisteuern dürfte. Dabei kommt der Koffer-, Lederwaren- und Modeproduzent nur auf ein Viertel des gesamten Konzernumsatzes von 12,2 Mrd. Euro.

Den übrigen LVMH-Sparten geht es weniger gut, wenn man von den Dior-Parfums absieht: Das Geschäft mit Uhren und Schmuck (TAG Heuer, Ebel, Chaumont) ist rückläufig; Cognac und Champagner (wie etwa Moët, Hennessy, Dom Perignon oder Veuve Clicquot) erlitten im letzten Jahr Umsatzeinbußen, und die Kaufhäuser Samaritaine oder Le Bon Marché halten nur mühsam mit der Zeit mit.(Stefan Brändle aus Paris, Der Standard, Printausgabe, 31.12.2002)

  • Auch in Wien ist Louis Vuitton an einer noblen Adresse, dem Kohlmarkt vertreten
    foto: cremer

    Auch in Wien ist Louis Vuitton an einer noblen Adresse, dem Kohlmarkt vertreten

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