Hedge Fonds: Auf den Stil kommt es an

30. Dezember 2002, 13:03
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Welche Stile waren 2002 gefragt und wie geht es im nächsten Jahr weiter?

Besonders Long/Short Strategien verloren 2002

Besonders die Monate Juni und Juli waren eine der schwersten Monate für Hedge-Fonds überhaupt: „Ausgelöst durch eine Vertrauenskrise bei Unternehmen wie WorldCom und Adelphi, kam es zu einer massiven Ausweitung der „credit spreads“ und einem Ausverkauf bei Aktien“, so Christoph Kampitsch, Head of ERSTE Alternative Investments.

Speziell Manager von Long/Short Equity Hedge Fonds hatten wieder ein sehr schwieriges Jahr, da ihre Performance stark mit den traditionellen Aktienmärkten korreliert. Mit etwa -2 Prozent (Performance seit Jahresanfang per 30.11.2002) findet sich diese Strategie dann auch neben „Event Driven“ Strategien auf den hinteren Plätzen wieder. Sehr gut performt haben in diesem volatilen Umfeld dagegen die CTA´s (Managed Futures), die jedoch im Oktober und November dementsprechend viel verloren haben. Mit einem Plus von mehr als 12 Prozent musste diese Strategie sich nur knapp den „Dedicated Short Bias“ und „Global Macro“ Fonds (beide +13 Prozent) geschlagen geben.

„25% der Long/Short Fonds sperren 2003 zu“

Wie geht es nun aber weiter? „Für nächstes Jahr erwarten wir ein großes Fondssterben", speziell im Long/Short Equity Bereich, da viele Shops aufgrund schlechter Performance oder zu geringen Assets zusperren werden“, gibt sich Kampitsch überzeugt. Dabei spricht er von einer Größenordung von bis zu 25% über die nächsten 12 Monate. Für Joachim Meyer, Vorstand der FondsConsult Research AG, hat das Fondssterben dagegen längst begonnen: „Hedge Fonds Manager leben von der Performance Fee. Da diese in den letzten Jahren bereits ausgeblieben ist, haben viele Hedge Fonds bereits zugemacht“.

Global Macro und Distressed als mögliche Gewinner 2003

„Global Macro“ sei dagegen wieder dabei aufzuholen und sollte 2003 gut performen, so Kampitsch. Die richtungslosen Märkte würden gute Möglichkeiten für Hedge-Fonds-Manager bieten in diesem Bereich Performance zu machen.

„Distressed Investments sollten bei einer Erholung der Wirtschaft eine ausgezeichnete Performance, also 25-35 Prozent, liefern“, prognostiziert Kampitsch weiter. Jedoch sei dafür eine Erholung der Weltkonjunktur notwendig, die die ERSTE frühestens im zweiten Halbjahr erwartet. Arbitrage-Strategien, wie Convertible- oder Fixed Income Arbitrage sollten laut ERSTE Alternative ebenfalls gut abschneiden.

Dem schließt sich die Münchner FondsConsult Research AG ebenfalls an: 2003 rechnet man dort mit einer Seitwärtsbewegung bei Aktien, weiter sinkenden Zinsen und niedrigeren Volatilitäten. „Long-Short Strategien werden deshalb weiter schlechter performen, Arbitrage Strategien dagegen besser“, so Meyer.

Langfristige Trends sprechen dagegen

Im langfristigen Vergleich stellt sich das Bild dann wieder etwas anders dar: Betrachtet man die Rendite und das Risiko der einzelnen Stile seit 1994, liegt „Equity Market Neutral“ mit 11 zu 3 (Rendite zu Risiko in Prozent p.a.) klar an der Spitze, gefolgt von „Convertible Arbitrage“ (10 zu 5) und dem großen Verlierer 2002 „Event Driven“ (9 zu 7). Und der Spitzenreiter 2002, „Dedicated Short Bias“, weist mit 1 zu 18 überhaupt das mit Abstand schlechteste Verhältnis auf.

Multi-Manager Fonds als Ausweg?

Wie sollte sich also der Anleger in solch einem unsicheren Umfeld verhalten? Joachim Meyer rät hier, wie viele andere Experten auch, zu Multi-Manager Produkten. Diese würden dem Anleger die Auswahl der einzelnen Subfonds in den jeweiligen Stilen ersparen. „Im Sinne eines ausgewogenen Risiko-Ertrags-Profils, sind auch wir weiterhin der Meinung, dass für Anleger Multi-Manager-Fonds in diesem Bereich die beste Lösung darstellen“, meint schließlich Franz Brugger von der Salzburger Carl Spängler KAG.

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