Produkte für neue, geförderte Vorsorge laufen vom Stapel

29. Dezember 2002, 18:56
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Den Ertrag für diese Zusatzpension bestimmt der Kapitalmarkt, eine Garantie schützt das Kapital - allerdings unverzinst

Wien - Ab 1. Jänner können alle Österreicher für eine Zusatzpension staatlich gefördert ansparen. Es gilt, dass jeder Investor für einen jährlich eingezahlten Betrag von maximal 1851 Euro eine alle zwölf Monate festgelegte staatliche Prämie in Höhe von 8,5 bis 13,5 Prozent erhält und alle Erträge steuerfrei bleiben. Für 2003 liegt die staatliche Förderung bei 9,5 Prozent (das sind 176 Euro).

Die Produktanbieter müssen dabei eine Kapitalgarantie geben, frühestens ist ein Ausstieg aus solchen Produkten nach zehn Jahren möglich. Dann muss aber die Hälfte der staatlichen Prämie zurückgezahlt werden, der Auszahlungsbetrag ist mit sechs Prozent zu versteuern. Wer sich für die "Verrentung" entscheidet, behält die volle Prämie.

Aktienanteil in Österreich investiert

Eine zentrale Vorgabe dieser Produkte ist, dass ein Aktienanteil - derzeit sind noch 60 Prozent vorgeschrieben, eine Gesetzesnovelle dürfte diese Quote aber bald auf 40 Prozent senken - in Österreich investiert werden muss. Möglich sind also auch noch Griechenland und Portugal, die in der heimischen Finanzbranche aber als nicht besonders wahrscheinliche Anlageorte gelten. Demnach darf sich der Finanzplatz Wiener Börse über eine gewaltige Belebung freuen.

Obwohl die Konstruktion dieser Vorsorgeprodukte umstritten ist - hauptsächlich wegen des hohen verpflichtenden Aktienanteils, der in Kombination mit der vorgeschriebenen Kapitalgarantie kaum verwirklicht werden kann - kommen jetzt schon immer mehr Anbieter auf den Markt. Sie erhoffen sich ein gutes Geschäftsfeld: Die Raiffeisen Capital Management hat bereits einen entsprechenden Fonds aufgelegt, ebenso die Ringturm KAG und die Wiener Städtische Versicherung. Einige haben Fonds angekündigt, andere warten noch auf die exakte Definition der Aktienquote und deren Management.

500.000 Österreicher

Schätzungen zufolge dürften 500.000 Österreicher solche Produkte kaufen, sagt auch die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Dass damit der Wiener Börse ein quasi "hausgemachter Sonnenschein" 2003 bevorsteht, wird ebenso allgemein angenommen.

Zweifel, dass diese "dritte Säule", zusätzlich zum Umlageverfahren der Pensionen und zur neuen Abfertigung, die ebenfalls ab 1. Jänner gilt, wachsen wird, gibt es nicht. Argumentiert wird mit der statistisch nachgewiesenen Notwendigkeit für solche Ansparformen.

Vererbbarkeit klar geregelt

"Alte" Pensionsinvestmentfonds und Rentenversicherungsverträge können noch 2003 gezeichnet werden, ab 2004 ist das nicht mehr möglich. Bestehende Verträge laufen allerdings zu den gewohnten Konditionen weiter.

Die Vererbbarkeit der neuen Zukunftsvororgeprodukte ist klar geregelt: Stirbt der Einzahler in der Ansparphase, gilt das Erbrecht. Stirbt der Einzahler während seiner Pension, also der Auszahlungsphase, dann gilt, was mit dem Produktanbieter vereinbart wurde.

Dafür sind Verträge mit der Kapitalanlagegesellschaft notwendig. Sonst verfällt das angesparte Kapital.(Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 30.12.2002)

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    foto: photodisc
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