G'riss um den Österreicher

27. Dezember 2002, 13:47
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Trainer-Legionär Heinz Peischl wechselt vom FC Wil zum Lokalrivalen St. Gallen und nimmt den sportlichen Abstieg gerne in Kauf

St. Gallen - Wie stets im Sport dreht sich alles um Erfolg oder Niederlage, die eine Seite freut sich, die andere Seite trauert. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um ein Spiel, sondern um eine Person. Trainer Heinz Peischl, der derzeit auf Urlaub in Kuba weilt, sorgte kurz vor Weihnachten mit seinem Wechsel vom FC Wil zum Lokalrivalen FC St. Gallen in der Schweiz, dem österreichischen Partner für die Fußball-EM-Endrunde 2008, für unterschiedliche Gefühle, doch auf jeden Fall für Gesprächsstoff.

Finanzielle Probleme in Wil

"Wir hätten ihn gerne weiter bei uns gehabt. Er hat große Arbeit geleistet", sagte Armando Müller, der Sportchef des FC Wil, und der bisherige Co-Trainer des Österreichers, Giuseppe Gambino, fügte hinzu: "Es ist schade, dass er geht. Aber viele hätten an seiner Stelle genauso gehandelt." Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten der Wiler fiel dem Burgenländer der Abschied nicht schwer und er folgte dem Lockruf aus der Kantonshauptstadt. Der 39-Jährige unterschrieb für die Grünen vom Espenmoos einen bis 30. Juni 2004 gültigen Vertrag.

St.Gallen in der Aufstiegsrunde

Auch wenn es kurzfristig aus sportlicher Hinsicht ein Abstieg zu sein scheint. Unter der Regie von Peischl, der im Sommer 2001 den Verein aus der Provinz übernommen hatte, stieg der FC Wil in die Nationalliga A auf und überwintert dort jetzt auf dem vierten Tabellenplatz, der die Teilnahme am Meister-Playoff bedeutet. FC St. Gallen, der neue Klub des Österreichers, ist nur Tabellenzehnter und muss in der Auf-/Abstiegsrunde um die Zugehörigkeit zum Oberhaus kämpfen. Pikantes Detail: In der laufenden Meisterschaft hatte der FC Wil unter der Führung von Peischl Lokalrivalen St. Gallen mit 11:3 ein Debakel von bis dahin unbekanntem Ausmaß zugefügt.

Ältester Verein am Festland

FC St. Gallen, 1879 gegründet und damit ältester Fußball-Verein des europäischen Festlandes, baut auf die Referenzen des Nachfolgers von Thomas Staub, der nur drei Monate im Amt gewesen war. "Peischl weiß genau, was er will. Und er kann das auch vermitteln, er kann ein Feuer entfachen und uns den Siegeswillen in die Mannschaft zurückbringen", sagte St. Gallens Präsident Thomas Müller über den Österreicher, der schon vor einem Jahr ganz oben auf der Wunschliste des Klubs gestanden war. Diesmal hatte es vier Kandidaten, darunter auch Walter Hörmann und Rolf Fringer, für den Posten gegeben.

Neue Spieler kein Thema

Ob Peischl, der einst unter dem früheren St. Gallen-Coach Kurt Jara beim FC Tirol assistiert hat, auch neue Spieler zum FC St. Gallen mitbringt, ist derzeit kein Thema. "Peischl wird im Jänner den Kader beurteilen und erst dann sehen wir weiter", erklärt Müller. Weil die Ostschweizer, die zuletzt im Jahr 2000 den Meistertitel geholt haben, erst 21 von 25 möglichen Spielern für die laufende Saison gemeldet hat, wären theoretisch noch vier Neuverpflichtungen, davon eine ausländische, für die Auf-/Abstiegsrunde möglich.(APA)

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