Der Lohn der kreativen Zerstörung

27. Dezember 2002, 11:19
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Olympus-Präsident Tsuyoshi Kikukawa sinniert über den Weg zum Erfolg im hart umkämpften Digitalkameramarkt

"Nur ein breites Sortiment von Digitalkameras zieht die Kunden in den Laden", sagt ein Verkäufer des führenden Elektronikgeschäftes Laox. Er muss es wissen. Er arbeitet in Akihabara, dem legendären Tokioter Stadtviertel, wo nur die neusten elektronischen Geräte Nippons verkauft werden. Nicht nur in Tokio, sondern auch in New York, London und München waren Digitalkameras die meistverlangten elektronischen Geräte im diesjährigen Weihnachtsverkauf. Fünf japanische Hersteller beherrschen mehr als 95 Prozent dieses Wachstumsmarktes. Olympus Optical ist neben den Branchenführern Sony und Canon die Nummer drei und vergrößert seinen Marktanteil stetig. Derzeit liegt er bei knapp 17 Prozent weltweit.

Zerstörung

"Als Konzernleiter muss ich oft die Rolle des kreativ Zerstörenden spielen", sagt Olympus-Präsident Tsuyoshi Kikukawa, "der Erfolg in der Zukunft hängt davon ab, wie schnell eine Konzernleitung überholte Annahmen aus der Vergangenheit über Bord werfen kann." Das gelte vor allem im hart umkämpften Markt für Digitalkameras, wo derzeit alle vier Monate ein Modellwechsel ansteht. Die kurzen Zyklen waren für Olympus im vergangenen Jahr zum Verhängnis geworden, und das Unternehmen blieb auf einem Berg unverkaufter Kameras sitzen, für die es eine außerordentliche Abschreibung von 55 Millionen Euro tätigen musste. Olympus blieb zwar profitabel, weil der Bereich Medizinische Systeme, wo Olympus 70 Prozent des globalen Markts für diagnostische Endoskope beherrscht, den Hauptanteil der Konzerngewinne erwirtschaftet.

Verlagerung

Was Olympus-Präsident Kikukawa unter "kreativer Zerstörung" versteht, setzte er im vergangenen Jahr um. Er beschleunigte die Verlagerung der Produktion nach China, wo inzwischen über 80 Prozent der Olympus-Kameras hergestellt werden. Die Einsparungen, die zu Werkschließungen und Stellenabbau in Japan führten, brachten dem Konzern im ersten Halbjahr bis Ende September 2002 eine solide Steigerung des Betriebsgewinnes um 73 Prozent. Für das Gesamtjahr sagt Olympus einen Rekordgewinn von 200 Mio. Euro voraus. Der Konzernumsatz soll auf 4,6 Mrd. Euro - zweimal so viel wie 1995 - steigen.

Forschen

Dabei glänzt Olympus nicht nur mit Rekordzahlen in Umsatz und Gewinn, sondern auch als innovativer Pionier in der Forschung und Entwicklung. Zusammen mit dem US-Konzern Kodak versucht Olympus, neue Standards für digitale Spiegelreflexkameras zu etablieren - ein Frontalangriff auf die bisherigen Marktführer bei Spiegelreflex- kameras, Canon und Nikon. Gelingt die Standardisierung, dürfte dies zum definitiven Durchbruch der Digitalfotografie führen.

Markt

Bereits heuer wird der globale Markt auf 22 Millionen Digikameras im Wert von über acht Milliarden Euro veranschlagt. 2003 erwarten Branchenexperten eine Steigerung um 62 Prozent auf 35 Millionen verkaufte Kameras mit einem Wert von rund zwölf Milliarden Euro.

Ansporn

Für Kikukawa sind die rosigen Aussichten im Wachstumsmarkt für Digitalkameras auch Ansporn für mehr Forschungsausgaben, die 2002 bei rund 250 Millionen Euro lagen. Dabei will er Entwicklungen im Kernbereich für medizinische Geräte nicht vernachlässigen: Denn medizinische Systeme werden auch 2002 die Hälfte des Umsatzes und 90 Prozent des erwarteten Betriebsgewinnes von 445 Millionen Euro ausmachen. (André Kunz / DER STANDARD Printausgabe, 27. 12. 2002)

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