Galileo gefährdet

26. Dezember 2002, 18:57
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Streit zwischen Berlin und Rom um Führungsrolle und Industrieaufträge blockiert EU-Navigationssystem

Paris - Bis Weihnachten hätte Europas Antwort auf das US-Navigationssystem GPS unter Dach und Fach sein sollen. Nach langem Tauziehen zwischen den Mitgliedstaaten um das milliardenteure Satellitennavigationssystem Galileo schien eine fristgerechte Einigung greifbar nahe. Aber das Gerangel zwischen Berlin und Rom um Sitz, Führungsrolle und Industrieaufträge bei diesem ehrgeizigen Vorhaben ist noch immer nicht beendet: Deutschland stimmte jetzt doch nicht zu, weil Italien "unnachgiebig" sei. Damit steht die Zukunft von Galileo, als Rivale und Ergänzung zu GPS gedacht, weiterhin in den Sternen.

Enttäuschung

Der Chef der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Paris, Antonio Rodotà, macht aus seiner tiefen Enttäuschung über die vorerst gescheiterte Suche nach einem gemeinsamen Nenner keinen Hehl: "Das ist ein harter Schlag für Europa. Darunter wird nun die gesamte europäische Raumfahrtindustrie schwer zu leiden haben." Dabei wüssten alle 15 ESA-Mitgliedstaaten um die wirtschaftliche, industrielle und strategische Bedeutung von Galileo. Das Projekt soll 140.000 Arbeitsplätze schaffen und das Investierte um ein Mehrfaches zurückbringen. (dpa, DER STANDARD, Printausgabe 27.12.2002)

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Galileo

  • Das Archivbild zeigt einen Computersimulation mit drei Satelliten des europäischen Navigationssystems 'Galileo' im Orbit. Im Rahmen des Galileo-Projekts, des größten europäischen Technologievorhaben überhaupt, ist bis 2008 der Aufbau eines Netzes von 30 Satelliten zu Navigationszwecken unter anderem im Verkehrsbereich geplant, das dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen soll.
    foto: esa

    Das Archivbild zeigt einen Computersimulation mit drei Satelliten des europäischen Navigationssystems 'Galileo' im Orbit. Im Rahmen des Galileo-Projekts, des größten europäischen Technologievorhaben überhaupt, ist bis 2008 der Aufbau eines Netzes von 30 Satelliten zu Navigationszwecken unter anderem im Verkehrsbereich geplant, das dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen soll.

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