Italien: "Unabomber" schlug während der Christmette zu

25. Dezember 2002, 17:22
11 Postings

Nutella-Glas auf Beichtstuhl explodiert

Rom - Der italienische "Unabomber" hat in der Nacht auf Mittwoch offenbar neuerlich zugeschlagen. Auf einem Beichtstuhl der Kirche von Cordenons in der Nähe von Pordenone explodierte während der Christmette ein präpariertes Nutella-Glas. Die Kirche wurde anschließend evakuiert, es gab keine Verletzten.

Seit 8 Jahren "aktiv"

Die Carabinieri wollen die Überreste der - als schwach bezeichneten - Sprengfalle mit jenen vergleichen, die nach einem ähnlichen Anschlag in einem Supermarkt in Pordenone im Sommer dieses Jahres sichergestellt worden waren. Der "Unabomber", wobei man nicht sicher ist, ob es sich um einen einzigen Täter handelt oder auch Nachahmer am Werk sind, treibt seit 1994 sein Unwesen.

Die Staatsanwaltschaften vier norditalienischer Städte - Pordenone, Udine, Venedig und Treviso - versuchen seit über acht Jahren, dem geheimnisvollen Sprengfallenbauer auf die Spur zu kommen, der Friaul und Venetien terrorisiert. Erstmals tauchte der italienische "Unabomber" am 21. August 1994 auf. Bei einem Volksfest in Sacile bei Pordenone explodierte eine Rohrbombe, die drei Personen verletzte.

Rohrbomben an Badestränden

Weitere Sprengkörper dieser Art gingen in den darauf folgenden Monaten vor einem Supermarkt in Pordenone sowie vor der Kirche der friaulischen Stadt Aviano in die Luft, wo sich ein US-Militärstützpunkt befindet. Weitere vier Rohrbomben explodierten in der Provinz Pordenone, ohne jemanden zu verletzen.

Bei der Explosion einer Rohrbombe am Strand des Badeorts Lignano wurde am 4. August 1996 ein 33-jähriger Urlauber schwer verletzt. Mehrere Sprengkörper derselben Art detonierten in den folgenden Tagen in mehreren Badeorten der Gegend. Im Juli 2000 wurde ein pensionierter Carabiniere in Lignano lebensgefährlich verletzt, nachdem der Sprengsatz in seinen Händen explodiert war.

"Nutella"-Bomben

Nach einigen Monaten schien der Bombenbastler seine Strategie geändert zu haben. Im Oktober 2000 wurde eine Sprengfalle in einer Eierpackung gefunden, die in einem Supermarkt in Portogruaro bei Venedig gekauft worden war. Einige Tage später erstand eine 37-jährige Frau in einem Supermarkt von Cordignano bei Treviso eine Tube mit Paradeismark, die ihr in den Händen explodierte. Sie wurde schwer verletzt. Ähnliche Fallen wurden auch in Mayonnaisetuben gefunden.

Am 18. November 2001 explodierte eine Sprengfalle, die der rätselhafte "Unabomber" in einer Kerze versteckt hatte, die eine 63-jährige Frau in einem Friedhof bei Treviso angezündet hatte. Sie wurde schwer verletzt. Im Juli 2002 explodierte ein Nutella-Glas, das eine 35-jährige Frau gekauft hatte. Dabei kam niemand zu Schaden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auf einem Beichtstuhl der Kirche von Cordenon explodierte während der Christmette ein präpariertes Nutella-Glas

Share if you care.