Wo wäre das Kino ohne Chaplin?

27. Dezember 2002, 20:38
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Der "einflussreichste Künstler in der Geschichte des Films" starb am 25. Dezember 1977

New York - Amerikas "Movie Encyclopedia" nennt Charlie Chaplin, der vor 25 Jahren, am 25. Dezember 1977, starb, den "einflussreichsten Künstler in der Geschichte des Films". Weltbekannt Chaplins Tramp-Figur: Ein kleiner Vagabund mit schwarzen Bart, Melone, Spazierstock, einer zu engen Jacke kombiniert zur überweiten Hose. Ein Clown mit Watschelgang. So kennt alle Welt Chaplin. "Ich bin und bleibe ein Clown"? Und fügt hinzu: "Das hebt mich auf eine Ebene weit über jedem Politiker."

Hetzkampagnen

Und was immer wieder vergessen wird: Chaplin war kein Amerikaner und wollte auch partout keiner sein. Der Brite stammte aus einfachen Verhälntissen und stand dem "American Way of Life" trotz seiner Hollywood-Karriere stets kritisch gegenüber.

"Kommunist und Mädchenschänder" wurde der "undankbare" Chaplin geschimpft. Diese Hetzkampagnen erzkonservativer Kreise machten lange Zeit größere Schlagzeilen als seine Filem. Er untergrabe die amerikanische Moral erklärte US-Generalstaatsanwalt McGranery und entzog ihm 1952 die Aufenthaltserlaubnis. Der damals bekannteste Entertainer der Welt schwor, nie wieder einen Fuß auf amerikanischen Boden zu setzen und zog sich in die Schweiz zurück.

Aussöhnung mit den USA

Erst 20 Jahre später söhnte sich Amerika mit Chaplin aus: Die US-Filmakademie verlieh ihm einen Ehren-Oscar. "Ihr seid wunderbare, süße Leute", rief Chaplin den Amerikanern 1972 bei der Ankunft in Los Angeles zu. Drei Jahre später hob die Queen ihn in den Adelsstand.

"Kommunistische Machwerke"

Das Meisterwerk "Moderne Zeiten" von 1936 kritisierte die Auswüchsen der Industrialisierung und wurde daher von der Presse als "kommunistisches Machwerk". Auch die Hitler-Parodie "Der große Diktator" passte den Republikanern nicht in den Kram. Parallel zu dem Film sprach sich Chaplin nämlich für ein Zusammengehen Amerikas mit der Sowjetunion aus.

Chaplins Affären mit jungen Mädchen verbesserten seine Stellung nicht unbedingt. Großes Aufsehen sorgte eine Vaterschaftsklage einer Minderjährigen , obwohl Gutachter sie in dem Prozess widerlegten. Vier Ehen mit extrem jungen Frauen (drei von ihnen waren minderjährig) führte der Filmemacher; aus ihnen gingen elf Kinder hervor.

Die Schauspielerin Geraldine Chaplin sprach ihrem Vater kürzlich privaten Humor ab - zu Hause sei nur die Mutter witzig gewesen. Dass Humor für Chaplin harte Arbeit war, berichteten auch Kollegen. Ständig habe der "Präzisionsfanatiker" sie mit Wiederholungen von Szenen gepiesackt.

Der perfekte Vagabund

Chaplin der als Fünfjähriger eher zufällig zum ersten Mal auf der Bühne stand und danach sein Ziel Schauspieler zu werden konsequent verfolgte, perfektionierte vor allem die Rolle des Tramp. Ein Vagabund mit Blick für schöne Mädchen und einer komischen Möchte-Gern-Eleganz, der gegen Bösewichte und dumme Polizisten antrat. Diese Figur erwies sich als einzigartiger Kino-Kassenschlager.

1919 gründete Chaplin mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks und D.W. Griffith das Studio United Artists. Dort entstanden zwei seiner berühmtesten Filme: "The Kid" (1921) und "Goldrausch" (1925), den viele Kritiker bis heute für den besten seiner Streifen halten.

Erpresser stohlen seinen Sarg

Mit Spätwerken wie "Ein König in New York" (1957) erreichte Chaplin nicht mehr die Vollendung wie in den Glanzzeiten der Stummfilmära. "Die Gräfin von Hongkong" erwies sich 1967, trotz Starbesetzung mit Sophia Loren und Marlon Brando, als künstlerisches Desaster. Chaplin zog sich später auf sein Landschloss Manoir de Ban am Genfer See zurück. Dort starb er 1977 im Schlaf, doch die letzte Ruhe war ihm noch nicht gegönnt. In der Nacht zum 2. März 1978 stahlen Erpresser Chaplin samt Eichensarg vom Friedhof und forderten eine halbe Million Franken Lösegeld. Den Sarg entdeckte die Polizei bald in einem Maisfeld, die Grabschänder nahm sie fest. (APA/dpa/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Chaplin in einer Szene aus "Rampenlicht"

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