Franz Schnabl wurde zum Ärger der SPÖ aufs Abstellgleis gestellt

23. Dezember 2002, 19:43
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Höhenflug des Polizei-Generals jäh gestoppt

Franz Schnabl ist ein ehrgeiziger Beamter. 1999 wurde er mit erst 40 Jahren Generalinspektor der Wiener Polizei, hatte damit auf Beamtenebene nur noch den Polizeipräsidenten und den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit über sich. Man traute ihm zu, auch diese Hürden zu erklimmen - bis Innenminister Ernst Strasser diesen Höhenflug stoppte. Er ließ Schnabl austauschen und machte die Angelegenheit zu einem Fall für die Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und SPÖ.

Schnabl ist deklarierter Sozialdemokrat und war in der Wiener Polizei die wichtigste Schnittstelle zur Löwelstraße. Bürgermeister Michael Häupl hielt stets seine schützende Hand über ihn - was Strasser aber ignorierte. Eine offene Provokation für die SPÖ.

An Schnabls fachlicher Qualifikation gibt es keinen Zweifel. Auch wenn er ohne das (richtige) Parteibuch seine Karriere wohl nicht so steil anlegen hätte können. Im Kabinett des schwarzen Innenministers begegnete man ihm erst mit Respekt, dann mit zunehmendem Ärger: Schnabl möge sich entscheiden, ob er Polizist oder Politiker sei, hieß es immer wieder. Beruflich ließ sich Schnabl, Chef über 6000 Uniformierte, aber nichts zuschulden kommen. Und sein Engagement für die SPÖ war so gerade immer so dezent, dass es keinen Anlass für eine offizielle Beanstandung bot. Strasser begründete seine Entscheidung, Schnabl trotz bester Beurteilung abzulösen, schließlich mit "unternehmerischen Gründen".

Bei einer Demonstration gegen die schwarz-blaue Regierung lief Schnabl im Februar 2000 vor eine ORF-Kamera. Er habe nur seine 17-jährige Tochter abgeholt, rechtfertigte sich der Polizei-General. Das Recht, Kundgebungen zu besuchen, stehe aber selbstverständlich jedem Exekutivbeamten zu, betonte er. Und er sei stolz auf seine Tochter. FPÖ und ÖVP schäumten. Bei den jüngsten Wahlen schien er dann an 39. Stelle der Bundesliste der SPÖ auf.

Schnabl wurde in Neunkirchen in Niederösterreich als Einzelkind in bescheidene soziale Verhältnisse geboren. Der Vater war Hilfsarbeiter, der Bub begriff rasch, dass es an ihm selbst liegen würde, sich hochzuarbeiten. Taktisches Verhalten lernte er bei der Sozialistischen Jugend, deren Chef er Mitte der Achtzigerjahre gemeinsam mit Pius Strobl im Burgenland war. Zur Polizei verschlug ihn der Zufall, wie er behauptet. Ab da überließ er nichts mehr dem Zufall: bester Kandidat, bester Absolvent, bester Kontakt zu hohen SP-Funktionären.

Schnabl, der als Polizist den Weg der Deeskalation vertritt, ist nun mit einer Situation der politischen Eskalation konfrontiert, deren Opfer er selbst geworden ist. Als neue Tätigkeit ist für ihn das Bereichsabteilungskommando für die Bezirke 4, 5 und 6 in Wien vorgesehen. Wenn ihm die Partei nicht helfen kann. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2002)

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