Das Sprudel- Lexikon

27. Dezember 2002, 11:15
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Perlen im Glase allenthalben, aber Sekt ist nicht Sekt. Denn: Zeige mir, womit du zum Jahreswechsel anstößt, und ich sage dir, ob du stilmäßig was draufhast

Champagner: Man muss es einfach sagen: Das französische Getränk ist in Sachen Feier-Flüssigkeit absolut unangefochten. Das preisliche Spektrum des Schaumweins reicht in etwa von 20 bis 200 Euro, am freundlichen Ende stehen die Produkte von Genossenschaften und Handelsmarken, am anderen Ende die so genannten Prestige-Cuvées der Spitzenproduzenten, nur in den besten Jahren gekeltert, in leicht übertrieben gestaltete Edel-Flaschen gefüllt, meistens ohne Pinot-Meunier-Anteil (die schlechteste der drei erlaubten Sorten). Sonderfall Rosé: Der ist im Falle von Champagner übrigens fast nie ein "echter" Rosé, sondern ein mit Rotwein gefärbter weißer Schaumwein. Kann trotzdem wunderbar schmecken.

Crémant: So hießen früher Champagner mit ein bisschen weniger Kohlensäure, mittlerweile werden aber alle französischen Schaumweine, die nicht aus der Champagne stammen, aber nach Champagner-Methode hergestellt werden, so genannt. Die besten Crémants kommen aus dem Elsass.
Frizzante: Bezeichnung wird gerne für süßlichen Möchtegern-Sprudel im Supermarktregal verwendet, in Wahrheit ist es das italienische Wort für Perlweine. Tritt in seltsamen Mutationen auf, etwa mit Energiespendern . . .

Fruchtschaumwein: Österreich-Klassiker ist "Mariandl", Marillensekt. Wird im Idealfall aus Obst hergestellt. Im schlechteren Fall ist er mit Aromaten versetzt und "imprägniert", d.h. Kohlensäure wird zugesetzt. Bei Abusus Garant für gemeines Schädelweh. Edelste Variante: Cidre aus der Normandie, für den Jahreswechsel aber definitiv unpassend.

Krimsekt: Nur wo Novyi Svet draufsteht, ist auch der echte drin, und der wird seit etwa 130 Jahren vor allem für die "shampanskoye"-liebenden Russen nach der Champagner-Methode hergestellt. War in den frühen 80ern des 20. Jahrhunderts ein Must im mitteleuropäischen Haushalt von Welt, hat aber seither seinen Nimbus eingebüßt. Gibt's von trocken bis süß, wobei man auch bei der trockenen Version mit einer gewissen Grundsüße rechnen sollte. Die schräge Variante.

Lambrusco: Wird häufig bei Pizza-Lieferungen, die einen bestimmten Wert über- steigen, angedroht. Der Wein aus der in der Emilia-Romagna und Lombardei vorkommenden roten Traubensorte wird gärend in die Flasche gefüllt und blubbert dort weiter. Kann auch als Amabile und als Bianco auftreten. Interessanten Lambrusco gibt es auch (Sorbara, Grasparossa del Castelvetro, Salamino di Santa Croce, Reggiano). Wer das zu Silvester trinkt, dem ist aber nicht mehr zu helfen.

Österreichischer Hauersekt: Die strengen gesetzlichen Vorgaben eines "Qualitätsschaumweines b.A." (bestimmter Anbaugebiete) verlangen: Trauben aus eigenem Anbau, Flaschengärung, mindestens neun Monate auf der Hefe. Die Ergebnisse sind beachtlich, wobei Willi Bründlmayer mit dem Jahrgangssekt "Bründlmayer brut" seit rund zehn Jahren Maßstäbe setzt. Geht nicht nur für Patrioten.

Prosecco: Der Name gehört einer italienischen Rebsorte, deren beste Qualitäten aus den DOC von Valdobbiadene, Conegliano und Montello kommen. Prosecco ist die klassische Ombra in den venezianischen Bars, eroberte in Form von Bellini von Harry's Bar aus die Welt. Niedrig im Alkohol, frisch perlend, wenn auch eher neutral im Geschmack. Hierzulande klassisches Vernissage-Getränk, hat zu Silvester nichts im Glas zu suchen.

Schilchersekt: Weil sich der Blaue Wildbacher aufgrund seiner rassigen Säure bestens zur Sprudel-Erzeugung eignet, gibt es ihn auch als Frizzante und Sekt. Ihm wird eine gewisse Neigung zur Rabiat-Perle nachgesagt, verrichtet aber sein Werk als Aperitif zufriedenstellend.

Sekt: 2001 süffelten die Österreicher je 1,84 Liter davon, was nicht gerade üppig ist. (D: 4,2 l). Nur 1999 gab's Millenniums-bedingt einen Ausreißer nach oben. Traditionshäuser wie Schlumberger und Kattus beziehen den Grundwein aus dem Weinviertel, manchmal auch aus dem Nordburgenland. Verwendet werden vor allem Grüner Veltliner und Welschriesling. Steht "Flaschengärung" auf dem Etikett, bedeutet das nicht automatisch Champagner-Methode mit Rütteln und so: Die Bezeichnung darf auch für Sekt verwendet werden, der nach der zweiten Gärung in der Flasche in einen Gegendrucktank geleert, dort von der Hefe befreit und mit Dosage wieder in die Flasche gefüllt wird.

Spumante: Italienischer Sekt ist in wirklichkeit nicht so ohne, und auch wenn der klassische Asti Spumante image- und umsatzmäßig darniederliegt, so erfreut sich etwa der Franciacorta bester Gesundheit. Weder Methode noch Rebsorten unterscheiden sich maßgeblich vom Champagner, der Preis auch nicht mehr wirklich. Das richtige für Hardcore-Italophile. (DER STANDARD/rondo/Luzia Schrampf, Florian Holzer/27/12/02)

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