++PRO&CONTRA-- Schlafen gehen vor 24 Uhr

27. Februar 2003, 14:42
1 Posting

Es gibt die Theorie, dass man schlafen gehen sollte, wann man müde ist. Aber dafür ist die Gesellschaft noch nicht reif

+++ PRO

Daniel Glattauer

Es gibt die Theorie, dass man schlafen gehen sollte, wann man müde ist. Aber dafür ist die Gesellschaft noch nicht reif. Denn wie macht man das montags am Vormittag oder freitags nach dem Mittagessen?

In den späten Abendstunden geht es leichter. Da haben wir es mit folgenden Formen von Müdigkeit zu tun. a) Man ist müde, weil man am Vortag zu lange wach war. Lösung: Schlafen gehen. b) Man ist müde, weil man am Vortag zu früh schlafen gegangen ist (und deshalb schlecht geschlafen hat.) Lösung: Schlafen gehen (und besser schlafen.) c) Man ist müde vom Fernsehen. - Noch vor dem nächsten Werbeblock schlafen gehen. d) Man ist müde vom Alkohol. - Entweder weiter trinken und einschlafen, oder schlafen gehen. e) Man ist müde von der Unterhaltung. - "Ist zwar gerade so spannend" sagen, aber schlafen gehen. f) Man ist müde vom Sport. - Duschen und schlafen gehen. g) Man ist müde statt Sport. - Schlafen gehen (und am Morgen duschen.) h) Man ist müde vom Sex. - Kuscheln und einschlafen. i) Man ist müde statt Sex. - Schlafen gehen, sonst glaubt sie's nicht. j) Man ist noch überhaupt nicht müde. - Schnell schlafen gehen, bevor es geschieht.

k) Es ist Jahreswechsel. Wann? In zwei Stunden? Erst? - An normalen Tagen zählt ja jede Schlafstunde vor Mitternacht doppelt. In der Silvesternacht ist das anders, da zählt jede Minute Schlaf als Stunde. Rechnen Sie sich einmal aus, wie viel Zeit Sie fürs neue Jahr gewinnen, wenn Sie sich bereits um 22 Uhr niederlegen. Aber rechnen Sie es erst am nächsten Tag aus. Und jetzt gehen Sie schleunigst schlafen, bevor's kracht!

******


---CONTRA

Thomas Rottenberg

Früher lief zu Weihnachten Tschitti Tschitti Bäng Bäng. Aber der Fernseher stand im Wohnzimmer - und das gehörte dem Christkind. Die vollzeitfernsehenden Klassenkameraden lachten. Das wiederholte sich bei "Dinner for one" (oder two? Egal). Wir wurden ins Bett geschickt - mit dem Versprechen, vor Mitternacht aufgeweckt zu werden. Am nächsten Tag schworen die Eltern, sie hätten uns nicht wach bekommen. Die Vorstellungen von dem, was um Mitternacht (alle Mitschüler hatten Kracher geworfen und einen Butler im Fernsehen gesehen) geschehen sein müsste, waren enorm.

Irgendwann sahen wir Tschitti Tschitti Bäng Bäng. Und Mitternacht. Es war traumatisierend öd: Ein muffiges Auto. Betrunkene Erwachsene. Verängstigte Haustiere. Grölende Horden. Den Gipfel des Partyspaßes. Frustrierend wie das erste Weihnachten ohne Christkind. Und so wie der Christkind-Traum im Herzen weiterlebt, brennt auch die Sehnsucht nach dem unkrampfig-lustigen Silvester. Immer noch. Die Wirklichkeit heißt "Silvesterpfad". Drum: Ersparen Sie Ihren Kindern diesen Traum. Halten Sie sie wach. Geben Sie ihnen versoffene Gesichter. Grölen. Gestank. Krach. Den faden Butler. Irgendwann werden sie verstehen, dass das eine Lektion über "Frohsinnsterminterror" war - und dankbar sein.(DER STANDARD/rondo/27/12/2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.