Alle Jahre wieder die üblichen Verdächtigen

23. Dezember 2002, 22:47
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Die Werbeflaute beschert mehr Wiederholungen als gewohnt. Zum letzten Mal bringt der ORF Licht ins Dunkel des weihnachtlichen Hauptabends

Vor dem Fernsehschirm wollen laut Umfrage 60 Prozent der Deutschen den Heiligen Abend samt übrigen Feiertagen verbringen - und wohl kaum weniger Österreicher. Das hindert die Sender nicht, heftig am Programm zu sparen. Die TV-Werbebudgets in Deutschland gehen zurück, der ORF kann sie beinahe halten: Voraussichtlich 322 oder noch etwas mehr Millionen Euro nach 348 im Vorjahr. Prognostiziert waren nur 288 Millionen. Gespart wird auch auf dem Küniglberg.

Nur auf der MS Berlin ist vom Sparkurs noch nichts zu bemerken. Der traditionell am Stephanitag gesichtete Luxuskreuzer ist heuer unterwegs nach Thailand, Kapitän und Crew verwöhnen wie gewohnt vor perfekter Kulisse. In Sparzeiten wie diesen ragt selbst das meist in seichtem Gewässer schippernde Schinakel hervor.

Vor allem an den drei Weihnachtstagen werden TV-Konsumenten vom ORF relativ kurz gehalten: Heiligabend tollen - wie im Vorjahr - "101 Dalmatiner" über den Bildschirm, gefolgt vom recht verstaubten "Crocodile Dundee" und "Kindergarten-Cop" Arnold Schwarzenegger.

Für gute Quoten sollte am Christtag die Schmonzette "Die Braut, die sich nicht traut" als Erstausstrahlung auf ORF 1 sorgen. Ebenso die Volks- und volkstümliche Musik: Sepp Forcher am 25., Hansi Hinterseers "Licht ins Dunkel"-Show tags davor.

Im Dunkel Schunkeln

Dunkel sieht es ab 2003 fürs Schunkeln aus: Programmdirektor Reinhard Scolik kündigt an, dass "Licht ins Dunkel" aus Spargründen am 24. vor dem Hauptabend endet, dann kommt ein Spielfilm. Geleitet wird das Spendenspektakel künftig vom früheren ORF-Hauptabteilungschef für Kinder, Jugend, Familie, Jörg Ruminak. Seine Bereiche bekam Unterhaltungschef Edgar Böhm dazu.

Im Weihnachtsprogramm erwarten die lieben Kleinen nun die üblichen Verdächtigen: Pippi Langstrumpf im ZDF, Erich Kästner in der ARD; "Pünktchen und Anton" in Sat.1 "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" in BR und ORF 1. Da stechen gerade der Disney-Trickfilm "Prinz von Ägypten" im ORF, ein Pinocchio-Themenabend bei Arte und der ARD-Vierteiler "Verloren in Sydney" hervor: Abenteuer von Oliver Twist werden nach dem Ende von Charles Dickens' Geschichte weitererzählt.

Älteren ergeht es kaum neuer: Mit "Evita", "Sieben Jahre in Tibet" und natürlich dem Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?" wird wiederholt wie wild.

Ausnahme: Arte stellt mit Ben Becker das Leben des gefallenen Günstlings Friedrichs II., Friedrich Freiherr von der Trenck nach.

Selbstgebackenes ist sonst Mangelware. Die Sender versprechen sich nach Tagen des Feierns höheres Publikumsaufkommen und diesem die kostspieligsten Produktionen des Jahres: Der 25 Millionen Euro teure "Julius Cäsar", ab 27. in der ARD. Und - bereits 2003 - Europas aufwändigste TV-Produktion "Napoleon". Da kam auch der ORF kurz vom harten Sparkurs ab und produzierte mit. (D. Priesching, H. Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2002)

  • Wiedersehen zu Weihnachten (im Uhrzeigersinn v. li. oben): DJ Ötzi mit Hansi Hinterseer, Tobias Moretti als Cassius im ARD-Zweiteiler, "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", "101 Dalamtiner", Julia Roberts, diesmal mit Joan Cusack als panische Braut.
    fotos: ard/orf

    Wiedersehen zu Weihnachten (im Uhrzeigersinn v. li. oben): DJ Ötzi mit Hansi Hinterseer, Tobias Moretti als Cassius im ARD-Zweiteiler, "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", "101 Dalamtiner", Julia Roberts, diesmal mit Joan Cusack als panische Braut.

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