Serie hält Wiener Polizei in Atem

23. Dezember 2002, 11:19
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Das Jahr endet blutig: Sechs Morde im heiligen Dezembermonat

Wien - Das Jahr 2002 endet in Wien ebenso blutig wie es begonnen hat. Hielt im Jänner eine Serie von vier Morden die Polizei in Atem, so fielen gegen Ende des Jahres bereits sechs Menschen Gewalttaten zum Opfer. Grausamer Höhepunkt: Der 20-jährige HTL-Schüler Raffael P. soll am 19. Dezember seine Freundin erwürgt und dann zerstückelt haben. Insgesamt gingen die Tötungsdelikte aber zurück, so Dr. Ernst Geiger, Leiter der Kriminaldirektion 1 am Montag gegenüber der APA.

"Es gibt schon so etwas wie ein Gesetz der Serie", sagte Geiger. Dieses Phänomen lasse sich ebenso bei Gewaltverbrechen wie auch bei Banküberfällen beobachten. Wissenschaftliche Gründe hierfür gibt es allerdings nicht. "Es könnte sein, dass die mediale Berichterstattung dazu beiträgt", meinte Geiger.

Die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage haben dem Leiter der KD1 zufolge keinerlei Einfluss auf die Bluttaten gehabt. "Es sind zwar schon zum Großteil Beziehungsdelikte, aber das ist nicht außergewöhnlich", so Geiger. Ende Dezember werden normalerweise auch nicht vermehrt Gewaltverbrechen registriert.

Auftakt Thomas Klinger

Den Auftakt der Serie bildete Ende November der brutale Mord an dem zwölfjährigen Thomas Klinger. Der 19-jährige Jürgen B. soll den Buben mit mehr als 20 Messerstichen getötet haben, um einen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Die Leiche des Kindes, die der mutmaßliche Täter in eine Mülltonne geworfen hatte, ist weiter verschwunden. "Entweder sie wurde bereits verbrannt oder sie ist an einem anderen Ort", sagte Geiger. B. ist geständig.

Am 7. Dezember erschoss der krankhaft eifersüchtige Mustafa G. in Wien-Ottakring seine Frau vor den Augen seiner Töchter. Der Sohn sollte die Mutter wenig später sterbend in der Wohnung finden. Nach einer Weihnachtsfeier prügelten drei Arbeitskollegen Jonny D. aus Neubau am 10. Dezember am Universitätscampus im Alten AKH zu Tode.

Am 17. Dezember wurde in Wien-Favoriten der 17 Jahre alten Davit T. von Mitbewohnern erstochen, der im Jänner dieses Jahres illegal nach Österreich eingereist war. Im Bereich des Friedhofs der Namenlosen im Alberner Hafen fand die Polizei am 21. Dezember in einem Pkw die Leichen eines Mannes und einer Frau. Die Ermittlungen ergaben, dass es sich um ein Schwechater Ehepaar handelt. Der 38-jährige Orhan Y. dürfte seine 34-jährige Frau Marianne erschossen und sich danach selbst gerichtet haben. Das Paar hinterlässt zwei Kinder - acht und elf Jahre alt.

Erwürgt und Zerstückelt

Das wohl blutigste Verbrechen dürfte der 20-jährige HTL-Schüler Raffael P. am 19. Dezember begangen haben. In den Morgenstunden soll er seine Freundin zuerst erwürgt und dann regelrecht zerstückelt haben. Motiv für die Tat soll "schlampige Haushaltsführung" gewesen sein. Obwohl der mutmaßliche Mörder bisher nicht wegen Gewaltdelikte auffällig geworden ist, geht die Brutalität des Verbrechens Geiger zufolge "über ein normales Maß weit hinaus". Die Tote hinterlässt einen sechsjährigen Sohn. P. wurde dem Gericht eingeliefert. (APA)

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