Wenn einen das Glück überfällt

27. Dezember 2002, 16:09
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Sparer und Lottospieler wollen ihre Lebensqualität verbessern - Allerdings brauchen Spieler im Glücksschock eine Spezialbetreuung

Wien - Lottogewinner brauchen eine Spezialbetreuung. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die Hypo Investment Bank (Liechtenstein) AG, die sich in einer Broschüre "Lottogewinn - Überfall des Glücks" ausführlich mit den psychologischen, materiellen und steuerlichen Aspekten des "Reichtums über Nacht" auseinander setzt.

Wie Vorstandschef Andreas Insam festhält, spielt die große Mehrheit der Kunden seiner Bank selten oder gar nicht Lotto. Das sei kein Zufall. Denn regelmäßiges Ansparen bedeute schließlich Konsumverzicht, und der sei mit dem "ungewissen Investment Lottoschein" in der Regel nicht vereinbar.

Ausgeprägte Konsumneigung

Nach Insams Erfahrung ist die Sparrate von Lottogewinnern zumeist gering. In vielen Fällen sei das persönliche Einkommen sehr tief, was ein regelmäßiges Sparen nicht möglich mache. In anderen Fällen wieder sei die Konsumneigung sehr ausgeprägt. Bei diesem Bevölkerungssegment werde die wirtschaftliche Verbesserung über den Umweg Lottospiel und Lottogewinn angestrebt.

Grundsätzlich sieht Insam bei Sparern und Lottospielern die gleiche Motivation: "In ihrer Seele verfolgen sie das Ziel der Unabhängigkeit, was eine höhere Lebensqualität bescheren soll."

Zuerst verbergen

Auf den "Überfall des Glücks" reagieren viele Lottogewinner - so die Studie - mit Verschlossenheit. Aus Angst, teilen zu müssen, verbergen sie den neu erworbenen Reichtum auch vor engen Verwandten, manchmal länger als ein Jahr. Erst dann sind sie bereit, ihre Lebensqualität der neuen Wirtschaftskraft anzupassen und sich Wünsche zu erfüllen.

Manche übertreiben bei der Erfüllung ihrer Wünsche aber gewaltig. Wie der von der Psychologin Birgit Waldenberger in ihrem Broschürenbeitrag apostrophierte Walter Knoblauch, Hausierer und Feuerschlucker aus Niedersachsen, der in kurzem Abstand sogar zwei Millionentreffer landete und den Gewinn in kurzer Zeit durchbrachte. Der hatte unter anderem für die eigene Prunkhochzeit gleich ein ganzes Gasthaus gekauft und mit dem Schild "wegen Reichtum geschlossen" behängt. Auch andere ließ er großzügig an seinem neu erworbenem Reichtum teilhaben. Als er starb, hinterließ er einen Schuldenberg.

"Höhere Lebensqualität"

Die Hypo Investment Bank (Liechtenstein) AG, berät Lottogewinner anders als Standardkunden, verrät Insam. Allergrößtes Ziel sei es, den deutlichen Sprung "höhere Lebensqualität" in der Zeitachse nicht wieder zu verlieren und nachhaltig abzusichern. So sei das Risikoprofil der Portefeuilles von Lottogewinnern zwangsweise deutlich konservativer als das anderer Kunden.

Dass Lottogewinner im Millionenbereich eine Spezialbetreuung brauchen, wissen auch die Österreichischen Lotterien. Sie haben deshalb einen eigenen Hochgewinnbetreuer installiert, der in den 15 Jahren seiner Tätigkeit über 3000 Menschen im so genannten Glücksschock erlebt hat. Seine Kunst besteht neben der Weitergabe von Informationen und Erfahrungen vor allem darin, die ersten Erschütterungen der Glückspilze so zu beantworten, dass diese die veränderte Lebenslage als Herausforderung und nicht als Belastung erleben.

Die Broschüre enthält auch rechtliche und steuerliche Aspekte des Lottogewinns. Er ist steuerfrei, weil die Steuer von der Lottogesellschaft abgeführt wird.

Er kann auch durch einen Treuhänder (Notar) behoben werden, bei der Veranlagung muss aber der Gewinner dem treuhandführenden Geldins- titut bekannt gegeben wer- den. Auch eine Überweisung des treuhändig verwahrten Lottogewinns ins Ausland ist uneingeschränkt zulässig. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 23.12.2002)

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    montage: derstandard.at
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