Cannabis im Weihrauch

23. Dezember 2002, 15:05
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Tiroler Theologe entlarvte "Drogenlegende" rund um die Geschenke der Heiligen Drei Könige

Innsbruck/Wien - Brachten die Heiligen Drei Könige gar Illegales in den Stall nach Bethlehem? "Nein", stellt dazu der Tiroler Theologe und "Hobby-Pharmazeut" Mag. Michael Plank fest. Er ist penibel allen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Weihrauch nachgegangen. Dem wurde in der Vergangenheit immer wieder THC (Tetrahydrocannabinol) als Inhaltsstoff nachgesagt. Doch offenbar ist nichts dran an der Story.

THC im kirchlichen Weihrauch nicht enthalten

"Meine mit Akribie betriebenen Recherchen in der Fachliteratur haben ergeben, dass THC im kirchlichen Weihrauch laut drei direkten wissenschaftlichen Untersuchungen nicht enthalten ist, auch nicht im Nanogramm-Bereich (Milliardstel-Gramm-Bereich, Anm.)", erklärte der Religionslehrer, der vor kurzem seine Doktorarbeit abgeschlossen hat, zu dem angeblichen "Kirchenthriller", der immer wieder in Medien die Runde macht.

'Überprüfung des Weihrauchs als Rauschmittel'

"In der Märzausgabe der österreichischen Zeitschrift 'Wiener' von 1993 berichten zwei Reporter von einer Architektin und Gemeinderätin in Niederösterreich, die wegen der Bewusstseins erweiterenden Wirkung des kirchlichen Weihrauchs 'persönlich tief beunruhigt' sei."

Sie und ein "Mitstreiter", ein Welser HTL-Professor, hätten den Weihrauch, der die Nasen der Gläubigen bei den heiligen Handlungen zusätzlich mit Wohlgeruch verwöhnen soll, als "eine ernst zu nehmende Bedrohung der Volksgesundheit" bezeichnet. Plank: "Beide fordern von den österreichischen Behörden eine sofortige Überprüfung: es folgt beim Gesundheitsministerium ein Antrag (Ende Jänner 1993 gestellt) auf 'Überprüfung des Weihrauchs als Rauschmittel'."

"Heiklen Nachforschungen"

Die Suchtgiftüberwachungsstelle im damaligen Gesundheitsministerium beauftragte demnach die Bundesstaatliche Anstalt für experimentell-pharmakologische und balneologische Untersuchungen in Wien mit den "heiklen Nachforschungen" (Plank). Doch heraus kam nichts. Der Theologe: "Ich habe mit dem damaligen Leiter der Abteilung für die Zulassung von Arzneimittelspezialitäten, Min.-Rat Dr. Alexander Jentzsch Anfang des Jahres 2001 persönlich telefoniert. Er hat gesagt, dass man keine weiteren Untersuchungen gemacht hätte: Wegen des finanziellen Aufwands und weil es wichtigere Prioritäten gegeben hätte."

DDR Propaganda-Argument gegen die Kirche

Somit stützt sich - so der Tiroler - die Hasch-Hypothese rund um den Weihrauch noch am ehesten auf auf denk Leipziger Wissenschafter Dieter Martinetz und seinen Mitarbeitern aus DDR-Zeiten. "Diese fanden heraus, dass die beiden Weihrauchinhaltsstoffe Verbenol und Olivetol bei der Räucherung wahrscheinlich zu THC (Tetrahydrocannabinol synthetisiert werden. Und das ist nichts anderes als der Stoff, aus dem die Haschischträume sind", zitiert Plank. Das sei aber von den DDR-Behörden als Propaganda-Argument gegen die Kirche benutzt worden. Unter dem Titel: "Schickt eure Kinder nicht in die Kirche. Die werden dort süchtig gemacht."

Harztropfen des Boswellia-Baumes

Was der der in den Kirchen benutzte Weihrauch ist: Er besteht zum größten Teil aus Harztropfen des Boswellia-Baumes, manchmal gemischt mit Harz von Commiphora-Arten (Myrrhe) und kleinen Mengen anderer Pflanzen. - Viel Rauch um nichts ... (APA)

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