FPÖ und ein Sexskandal

17. September 2003, 10:17
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Während FPÖ-Chef Herbert Haupt niedergebeugt versucht, sich der ÖVP als konsolidierter Regierungspartner anzudienen, geht es in seiner Partei weiter rund. In Niederösterreich ist eine Rebellion gegen den Haider-Freund und rechten Hardliner Ewald Stadler nur schwer unter der Decke zu halten. Und in Graz ist der dortige Spitzenkandidat für die Gemeinderatswahl im Jänner 2003, Peter Weinmeister, nun als Mitwisser eines gerichtsanhängigen Sexskandals rund um einen ehemaligen FPÖ-Stadtrat im Gerede.

Diese vom STANDARD aufgedeckte Affäre ist ein besonderes Mosaiksteinchen in der freiheitlichen Chronique scandaleuse. Zwei junge Frauen fühlten sich von einem prominenten FPÖ-Stadtrat, der die beiden in seinem Büro beschäftigte, sexuell massiv belästigt. Der Stadtrat, ein begeisterter Fotograf, beliebte von seinen Untergebenen anzügliche Fotos zu schießen. Und dabei soll es nach Angaben der Frauen auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Der Stadtrat bestreitet alles, sein Anwalt sagt: "Eine harmlose, aufgebauschte Geschichte." Sie war jedenfalls so "harmlos", dass die beiden Frauen im Beisein des FPÖ-Parteianwaltes ein Protokoll verfassten, in dem sie die Vorfälle penibel schilderten. Die Frauen, die sich auch FPÖ-Staatssekretärin Mares Rossmann anvertraut hatten, wurden anschließend in deren Büro versetzt. Die Parteiführung vertuschte die Affäre.

Alles nur eine innerparteiliche Intrige, sagte der Stadtrat, der seit Freitag vor dem Grazer Gericht steht. Dahinter stecke womöglich Rossmann, beweisen könne er das aber nicht. Jetzt muss auch die Staatssekretärin vor dem Grazer Gericht aussagen - wie eine Reihe anderer, semiprominenter Grazer FPÖ-Politiker. Und so versinkt die FPÖ immer tiefer in dem Sumpf, den sie selber angelegt hat. (DER STANDARD, Printausgabe 21./22.12.2002)

Von Walter Müller
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