Die Reize attraktiver Arbeitgeber

24. Dezember 2002, 11:30
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Je zufriedener, desto engagierter. Welche Faktoren dafür ausschlaggebend sind, was einen "attraktiven Arbeitgeber" ausmacht und wie Österreich im Europavergleich dasteht, zeigt eine Studie von Hewitt Associates.

Zufriedene Arbeitnehmer sind engagierte Arbeitnehmer. Und zwar doppelt: In Spitzenunternehmen sind fast doppelt so viele Mitarbeiter hoch engagiert als im Durchschnitt österreichischer Unternehmen. So die Studie "Attraktive Arbeitgeber" von Hewitt Associates, die heuer erstmals auch in Österreich durchgeführt wurde. 46 Unternehmen und deren Mitarbeiter wurden eingehend unter die Lupe genommen. Fazit: Als Unternehmen für seine Mitarbeiter "attraktiv" zu sein bringt deutliche Vorteile. Die Mitarbeiter der attraktivsten Unternehmen strengen sich besonders an, um selbst einen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele zu leisten. Sie bringen sich mehr ein, als dies ihr Job erfordern würde, sind überdurchschnittlich motiviert und wollen auch im Unternehmen bleiben.

Wie engagiert die Mitarbeiter sind, wird in erster Linie von der Zufriedenheit mit ihrer Tätigkeit und den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen bestimmt. "Erst danach spielt - mit einigem Abstand - das Management eine Rolle, dann folgt die Unternehmenskultur", erklärt Hewitt-Beraterin Andrea Bauer. Wobei sich die Situation natürlich spezifisch für jedes Unternehmen anders darstellen könne.

Gerade bei den internen Karrierechancen setzen erfolgreiche Unternehmen auch an. So gaben die Personalmanager der zehn "attraktivsten" Unternehmen an, dass ihre Mitarbeiter zum größten Teil im Unternehmen entwickelt werden, anstatt sie von außen zu rekrutieren. Und auch Weiterbildung ist hier ein Thema: In der Spitzengruppe werden fast 40 Prozent mehr Trainingsstunden pro Mitarbeiter absolviert als im Gesamtdurchschnitt. Allerdings: "Nicht die Zahl der angebotenen Programme ist entscheidend, sondern wie sehr sie auf das individuelle Geschäftsfeld abgestimmt sind", betont Bauer. Und wie sehr sie auf den Mitarbeiter fokussieren.

So werden denn auch in den attraktivsten Unternehmen die so genannten "High-Potentials" häufiger in strategische Projekte mit einbezogen und durch Mentoring- oder Coaching-Programme unterstützt.

Interne Karriere

Auch bei den besten Unternehmen werden die internen Karrieremöglichkeiten aber immer noch zurückhaltend beurteilt: 45 Prozent der Mitarbeiter von Spitzenunternehmen glauben, dass ihre Karriereaussichten im Unternehmen gut sind, im österreichischen Durchschnitt sind es nur 34 Prozent. In dieser Kategorie liegt Österreich - auch in der Spitzengruppe - klar hinter Europa: Im europäischen Spitzenfeld sehen 51 Prozent der Mitarbeiter gute interne Karrierechancen.

Doch generell führen die österreichischen Unternehmen im Europavergleich sogar. Insgesamt wurden 100 Unternehmen in Deutschland, Frankreich, England und Österreich befragt. Auf Österreich entfallen dabei 46, wobei ein durchschnittliches österreichisches Unternehmen 900 Mitarbeiter hat; ein französisches 5000. In puncto Gesamt- Engagement-Faktor gilt: "Für Österreich haben wir hier wesentlich bessere Werte als in Frankreich oder England", so Bauer. Einerseits sei das wohl auch darauf zurückzuführen, dass hierzulande hauptsächlich Unternehmen teilgenom- men haben, die ohnehin viel Wert auf Mitarbeitermotivation legen. Daneben aber führt Bauer das Ergebnis auf die Sozialpartnerschaft und eine lange Tradition des "Miteinbeziehens der Beschäftigten" zurück.

Deutschland kann ebenfalls auf überdurchschnittliches Engagement verweisen; obwohl dieses im Vergleich zum letzten Jahr um einige Prozentpunkte abgenommen hat. - "Konjunkturbedingt", wie es bei Hewitt Deutschland heißt. Denn die Angst um den Arbeitsplatz drückt auf die Stimmung. Vor allem bei den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und -ressourcen hat sich die Zufriedenheit verschlechtert. Für Österreich liegen noch keine Vergleichswerte vor, doch in puncto Gesamt-Engagement-Faktor liegt Österreich vor Deutschland.

Spitzenreiter

Der Attraktivitätsgrad von Unternehmen ergab sich aus der Mitarbeiterbefragung und der Übereinstimmung von Mitarbeitern, Personalmanagern und Geschäftsführung. Unter den zehn österreichischen Spitzenreitern finden sich die Bausparkasse, der Pharmakonzern Eli Lilly, der Süßwaren- und Tiernahrungsproduzent Masterfoods, Bundy & Bundy und das Groß-und Einzelhandelsunternehmen Porsche Holding. Gekürt werden "Österreichs beste Arbeitgeber" in den Kategorien unter beziehungsweise über 800 Mitarbeiter am 27. 2. 2003 - im Rahmen der Konferenz "Business Results Through People". (wpl/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.12.2002)

Infos

Andrea Bauer, Hewitt
Associates: (01) 712 99 81-41
hewitt.com

  • (Zum Vergrößern)Grafik: Attraktive Arbeitgeber nach Branchen
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    Grafik: Attraktive Arbeitgeber nach Branchen

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