Von Werten und Gefühlen

20. Dezember 2002, 11:38
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OeNB zieht positive Bilanz - Umfrage: 85 Prozent der Österreicher rechnen noch in Schilling - Für viele sind 100 Euro 1.000 Schilling

Wien - Eine positive Bilanz der vor einem Jahr gestarteten Euro-Bargeldeinführung zieht die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Von der technischen Seite her sei die Einführung gut verlaufen, er würde nachträglich nichts anders machen wollen, sagte OeNB-Direktor Wolfgang Duchatczek, der in der Notenbank für die Euro-Umstellung verantwortlich war. Überrascht sei er aber einerseits über die hohe noch ausstehende Summe von 12 Mrd. alten Schilling sowie die lange Gewöhnungsphase an die neuen Werte, so Duchatczek zur APA.

Dagegen hätten viele andere Themen im Laufe des Jahres an Relevanz verloren, etwa die Angst vor zu vielen Münzen in den Brieftaschen. Auch um den bereits vor der Bargeldeinführung geäußerten Wunsch nach einer 1-Euro-Banknote sei es bis vor kurzem sehr ruhig gewesen. Die Anpassungen an die neue Währung seien relativ glatt gegangen. In Summe sei die Umstellung positiv verlaufen.

Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage rechnen 85 Prozent der Österreicher ein Jahr nach der Währungsumstellung noch immer in Schilling. Für eine knappe Mehrheit von 51 Prozent der Österreicher überwiegen ein Jahr nach dem Euro-Start "eher die Nachteile als die Vorteile". 41 Prozent sagen, sie sehen "eher mehr Vorteile als Nachteile". Die Einführung kleinerer Euro-Papiergeldwerte wie etwa eines Zwei-Euro-Scheines fordern 40 Prozent der Österreicher. 38 Prozent haben keinen Bedarf nach mehr Papiergeld statt Münzen.

Die Österreicher gewöhnen sich zwar langsam an den Euro, drei Viertel glaubten aber im Oktober noch immer, dass es ein Jahr oder länger dauern werde, bis sie wirklich gut und geläufig mit der neuen Gemeinschaftswährung umgehen können. Wie aus einer begleitenden Studie zur Euro-Bargeldeinführung hervorgeht, entspricht im Gefühl der Bevölkerung allerdings ein 100-Euro-Schein in der Wertigkeit dem früheren 1.000-Schilling-Schein und stellt somit eine Ausgabengrenze etwa für den Wochenendeinkauf dar. Generell positiv empfinden die Österreicher den Euro beim Urlaub in einem anderen Euroland. (APA)

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    montage: derstandard.at
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