Zwischen Rollenbild und Revolution

25. Dezember 2002, 21:25
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Hilde Schmölzers Biografie über Rosa Mayreder: "Ein Leben zwischen Utopie und Wirklichkeit" - mit Gewinnspiel

"Bei sieben Brüdern wird man Frauenrechtlerin von der giftigsten Sorte." Für heutige Verhältnisse war Rosa Mayreder, eine der großen Frauen der ersten österreichischen Frauenbewegung, nicht giftig genug. Ihr Pech, wenn man so will, war, dass sie schon als Kind überlauert hat, was Männerherrschaft bedeutet: keine Bildung, keine Wirtshausbesuche, keine Karriere. Den Ton gab der herrische Vater an, ein wohlhabender Gastwirt, der sich selbst als liberaler (18)48er bezeichnete. Auch seine sieben Söhne ließen ihre Schwester spüren, dass Frauen zum Gebären da sind.

Besonders gelitten hat Rosa Obermayer, verheiratete Mayreder darunter, dass selbst ihre heimlich englische und französische Literatur lesende Mutter Rosas musische Begabungen und philosophische Studien gering schätzte. Die wissensdurstige Rosa musste unter die Haube - was trotz Schachspiels gelang.

Hilde Schmölzer, als Journalistin und Autorin mit Frauenforschungen und -geschichten einer breiten Öffentlichkeit bekannt, zeichnet in der vorliegenden Biografie ein vielschichtiges Bild der Mayreder, die ein Widerspruch in sich war. Das Heil der Frau sah sie darin, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein.

Ihre brillanten Essays, Erzählungen und Romane - darunter das Libretto zu Hugo Wolfs "Der Corregidor" - hätten das Licht der Welt nie erblickt, wäre sie dem treu geblieben. Im "Allgemeinen Österreichischen Frauenverein" rechnete Mayreder mit dem "ewig Weiblichen" und der praktizierten Diskriminierung ab - Bildungschancen, Wahlrecht, Arbeitsbedingungen waren die Themen. Daheim pflegte sie ihren kranken Mann und litt zeitlebens unter Bevormundung und finanzieller Abhängigkeit. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12. 2002)
dieStandard.at verlost drei Exemplare des Buches.
Zum Gewinnspiel

Buch:
Hilde Schmölzer:
Rosa Mayreder. Ein Leben zwischen Utopie und Wirklichkeit
Edition Spuren.
Wien 2002.
304 Seiten/ 21,90 Euro.
ISBN 3853711960


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