Alter Wein, neues Image

23. Dezember 2002, 12:32
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Chesterfield-Sofa, Zigarren und die Rauchschwaden eines Londoner Klubs - dieses Klischee wird gerne mit Portwein assoziiert. Was aber so nicht mehr ganz stimmt

Er ist süß, rot und hat sehr viel Alkohol, ist also das Gegenteil von dem, womit Weinkonsumenten hierzulande sozialisiert wurden. Das Wechselspiel zwischen Alkohol, der zwischen 16 und 21 Prozent liegt, der Süße und den Aromen fordert auch geübte Weintrinker. Die Qualitätstypen sind vielfältig und kompliziert, dazu oben drüber die Vintage-Ports, deren Aromen vom Konzentrat dunkler Früchte über Lebkuchen bis zu den Wohlgerüchen Arabiens reichen. Hat man die Aromenfülle für sich erschlossen, ist eine lebenslange Liebe durchaus wahrscheinlich.

Eine "breite Käuferschicht" sei es mittlerweile, sagt Stefan Pagacs, Experte für Aufgespritetes der Vinothek St. Stephan. "Auch viele Junge, die gerne zu White Port oder fruchtbetonten Rubys" griffen. Jedoch räumt er ein, dass der "Kundenstock seit über 20 Jahren aufgebaut" wurde.

In der "Kavalierbar" im Grand Hotel in Wien wagt man seit Mai die Probe aufs Portwein-Exempel. Der hochprozentige Portugiese wird glasweise (Vintages nur in der Flasche) quer durch die Palette angeboten, mit zufriedenstellendem Ergebnis. Natürlich sei es einfacher, Port an einen britischen oder amerikanischen Gast zu bringen, lautet die Erfahrung, aber wenn man österreichische Besucher "beratend animiert", kämen sie immer wieder. Im "Castillo", Cocktailbar von Georges Desrues, gibt es vor allem 10- und 20-jährige Tawnys, die beim generell eher jüngeren Publikum der Bar "ganz gut" ankämen. Schwieriger sei es mit Colheitas und Vintage-Ports: "Man denke einfach nur an das gestörte Verhältnis der Österreicher zu ihren eigenen Süßweinen."

Einige Portweinhäuser versuchen, Port verstärkt den unter 35-Jährigen schmackhaft zu machen. "Otima" von Warre's ist ein leichter vinifizierter zehnjähriger Tawny in flotter Flasche mit modischem Etikett. Der "G Port" von Gilberts, Zweitlinie von Burmester, wurde von der Typenvielfalt her vereinfacht und ebenfalls in schicke Flaschen mit bunten Kapseln gefüllt. Ein Trend, der "für Österreich uninteressant ist", urteilt Gawein Bruckner, Gastro-Weinhändler und Portweinimporteur. Denn man könne "ein Image erst ändern, wenn eines da ist". (Luzia Schrampf, DER STANDARD/rondo/20/12/2002)

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    Fässer, geüllt mit Portwein

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