Ein weiterer Schritt Richtung Abgrund

19. Dezember 2002, 14:48
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Como vs. Udinese wegen Rowdies abgebrochen - Gewalt und Finanzkrise beherrschen Italiens Fußball, es droht der totale finanzielle Kollaps

Como - In Italiens Fußball-Meisterschaft ist die Partie Como - Udinese am Mittwochabend abgebrochen worden. Der Schiedsrichter brach das Nachtrags-Spiel der Serie A beim Stand von 0:1 nach 68 Minuten ab, nachdem aufgebrachte Como-Fans auf den Platz gestürmt waren. Auslöser war ein Elfmeter für die Gäste aus Udine, die zu diesem Zeitpunkt durch ein Pinzi-Tor (33.) geführt hatten. Da innerhalb von 15 Minuten keine Räumung des Spielfelds möglich war, brach der Referee die Partie ab. Dieses Ereignis reiht sich nahtlos in eine Serie von Übergriffen gegen Spieler in den letzten Monaten ein. Bisheriger Höhepunkt: Torhüter Emanuelle Manitta von Messina wurde während (!) eines Spiels in Cagliari von einem Fan bewusstlos geschlagen.

Schwere Finanzkrise

Übermotivierte Fans sind derzeit nicht das einzige Problem des italienischen Spitzenfußballs: Ohne drastische Ausgabenkürzungen wird die Serie A wohl zugrunde gehen. Der Präsident der nationalen Liga, Adriano Galliani, schlägt wegen der zunehmenden Verschuldung der Vereine Alarm. "Die Klubs geben doppelt so viel aus als sie einnehmen und es ist mit keinem Umsatzwachstum zu rechnen. Die Ausgabenkürzungen und drastische Einschnitte der Spielergehältern sind der einzige Ausweg aus der Krise. Andernfalls wird unser Fußball zu Grunde gehen", sagte Galliani im Interview mit der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" (Donnerstag-Ausgabe).

Spielergewerkschaft gesprächsbereit

Galliani erklärte, dass die Spielergewerkschaft ihre Bereitschaft bekundet habe, über eine Kürzung der Kickergehälter zu diskutieren. "Die Klubchefs können nicht mehr freigiebig sein. Die Phase der großen Ausgaben ist zu Ende Die Aktionäre, die die Vereine kontrollieren sind in den vergangenen Jahren Jahren wegen der Krise durchschnittlich ärmer geworden", betonte Galliani.

Riesiges Finanzloch

Um in der kommenden Saison die Kriterien für die Serie A zu erfüllen, müssten die Erstligisten frische Finanzmittel im Wert von 1,29 Mrd. Euro auftreiben, sagte Galliani. Er bezweifle, dass die Hauptaktionäre der 18 Serie A-Klubs eine derartige Summe für ihre Verbände investieren werden.

Zehn Vereine am Rande der Existenz

Nach Angaben der Mailänder Tageszeitung droht zehn Vereinen der Serie A und B die Pleite. Im ersten Halbjahr 2002 meldeten die Klubs Verluste von insgesamt 948 Mio. Euro, 271 mehr als im ersten Semester 2001. Der Umsatz kletterte dagegen nur um fünf Prozent auf 1,063 Mrd. Euro. Auch die Nettoverschuldung erreichte ein Rekordhoch. Sie ist nach Recherchen der Tageszeitung gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 von 1,806 auf 2,549 Mrd. Euro gestiegen.(APA)

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    Kriegsähnliche Szenen in Italiens Stadien: Die Spieler werden unter Beschuss genommen,...

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    ...Como-Spieler Juarez dabei von einer Rakete getroffen.

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    Spieler eilen dem Verletzten zu Hilfe.

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