CD mit zwanzig in der Krise

17. Dezember 2002, 19:16
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Im Jahr 1982 wurde die Compact Disc von Philips und Sony zur Marktreife entwickelt - Jetzt steckt sie wegen vieler Raubkopien in der Midlife-Krise

Stuttgart/Wien - Das 20-jährige Jubiläumsjahr der Compact Disc (CD) fällt für die Musikindustrie zwiespältig aus. Der Grund: Millionen illegal kopierter CDs und das Herunterladen von Musikdateien aus dem Internet lässt die Umsätze der Branche zum dritten Mal in Folge schrumpfen.

Da kommt in den Vorstandsetagen der Musikkonzerne gelegentlich Sehnsucht nach der guten alten Schallplatte auf. Die konnte zwar auch auf Kassette kopiert werden, aber das dauerte und die Qualität sank mit jeder Kopie. Nicht so bei der CD. Seit es preiswerte CD-Brenner gibt, lässt sich digitale Musik schnell und einfach vervielfältigen: Sei es von einer gekauften Musik-CD, sei es durch das Herunterladen aus dem Internet. Im Jahr 2001 überstieg die Zahl der mit Musik bespielten Rohlinge erstmals die der verkauften CDs, meldet der Deutsche Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft. Allein im Jahr 2001 wurden in Deutschland 500 Millionen illegaler Downloads von Musikstücken registriert.

Das Phänomen blieb nicht auf die Musik-CD beschränkt. Mit der Weiterentwicklung zu Datenträgern für Computerprogramme und -spiele - CD-Rom und die nächste Generation optischer Datenträger DVD (Digital Video Disc) - bekommen Softwareentwickler und Filmindustrie ähnliche Probleme.

Hersteller seltsam gespalten

Datenträger-Hersteller wie Sony, Philips oder die zu Bertelsmann gehörende Sonopress sind in dem Konfliktszenario seltsam gespalten. Einerseits sind sie Betroffene der Piraterie, andererseits profitieren sie von dem wachsenden Absatz unbeschriebener Datenträger. Sehr oft stellen sie auch Brenner und die Abspielgeräte für das Internet-Musikformat MP3 her. Trotzdem arbeiten alle mit Hochtouren an Kopierschutzsystemen und diversifizieren unverdrossen in ein fast undurchschaubares System unterschiedlicher Formate: CD-I, hybrid CD-ROM, DVD-ROM, DVD-RAM etc. Laut Sony, die ein großes Presswerk im Salzburger Anif unterhält, entfallen nur mehr 40 Prozent des Umsatzes von 400 Mio. Euro 2001 auf das ursprüngliche Kerngeschäft mit Musik-CDs.

Dennoch überzieht die Musikindustrie die oft in den USA ansässigen Austauschbörsen, über die der illegale Download von Songs bewerkstelligt wird, mit Klagen. Napster, die prominenteste dieser Börsen, wurde bereits eingestellt.

Dabei ist durchaus umstritten, ob die Musik aus dem Netz dem Absatz der Musikindustrie schadet. Es gibt auch Studien, die darin eher einen Appetithappen für den Kauf ganzer CD-Alben im Laden sehen. (Reuters, ruz, DER STANDARD, Printausgabe 18.12.2002)

  • Die CD entwickelte sich zum meistverkauften Datenträger der Welt. Zum Jubiläum wird jedoch nicht nur gejubelt.
    foto: photodisc

    Die CD entwickelte sich zum meistverkauften Datenträger der Welt. Zum Jubiläum wird jedoch nicht nur gejubelt.

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