Betriebe warten noch

1. Juli 2004, 11:19
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Drei Viertel der Unternehmen haben noch keine fixe Startbasis für die neue Abfertigung

Wien - Die heimischen Banken und Versicherungen müssen noch einiges Werbegeld in den Kampf ihrer Mitarbeitervorsorgekassen (MVK) um Kunden werfen. Denn selbst zwei Wochen vor dem Jahreswechsel - und somit dem Inkrafttreten der neuen Abfertigung - haben drei Viertel der heimischen Wirtschaft noch keine Kasse ausgewählt.

Technisch ist das kein Problem, denn die ab Jänner zu zahlenden 1,53 Prozent der Bruttolohnsumme für jeden neuen Mitarbeiter können bei der Krankenkasse praktisch unbegrenzt auf einem Treuhandkonto - um derzeit knapp über zwei Prozent - zwischen- geparkt werden. Die MVK selbst haben damit mehr Probleme, denn ohne halbwegs vorhandenes und berechenbares Volumen können sie kaum Anlagestrategien einschlagen.

Wettstreitende Kassen

Laut einer entsprechenden Umfrage der Wirtschaftskammer (WKÖ) liegt das Abwarten auch an den neun wettstreitenden Kassen selbst, die ihre Konditionen quasi wöchentlich nach unten schrauben, wie auch der stellvertretende WKÖ-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner am Dienstag konstatierte.

Er lässt sich trotz der überwiegenden Starre der Unternehmen nicht von seiner lobenden Sichtweise der neuen Abfertigungsregel abbringen und ist überzeugt, dass im kommenden Jahr das Vertrauen der Firmen und ihrer Mitarbeiter wachsen werde. Denn einen Übertritt ins neue System planen derzeit noch die wenigsten.

Voll Harmonie

Den vielerorts angemeldeten dringenden Reparaturbedarf des Gesetzes, der vor allem beim Passus der Übertragungen bestehender Abfertigungsverhältnisse von Juristen und Steuerexperten urgiert wird, sieht Mitterlehner nicht dringlich. Das System werde langsam, aber kontinuierlich anlaufen. Allein aufgrund der Fluktuation der Dienstnehmer in Österreich - jährlich etwa eine Million - müssten bis 2004 etwa 1,5 Mio. Dienstnehmer bereits im neuen System sein, glaubt Mitterlehner. Zudem hätten Firmen ja bis nach der Bilanz 2003 Zeit, über die Auflösung ihrer Abfertigungsrückstellungen nachzudenken.

Dass die Kassen selbst mit den vielfältigen Entnahmemöglichkeiten (nach mindestens drei vollen Beitragsjahren) kaum eine vernünftige Anlagepolitik fahren können und Schätzungen davon ausgehen, dass 70 Prozent der Berechtigten ihr Geld sobald als möglich herausholen, stört ihn auch nicht. Allerdings räumt er ein, das dies dem Vorsorgegedanken der neuen Abfertigung zuwiderlaufe.

Aus der WKÖ-Umfrage ergibt sich: Je größer ein Unternehmen ist, umso klarer ist die Entscheidung vorbereitet. Insgesamt fühlen sich aber nur zehn Prozent der insgesamt 400 befragten Unternehmen "sehr gut" über die Angebote der MVK informiert, 31 Prozent fühlen sich "gut" informiert.

In ihrer nun anlaufenden Informationsoffensive wolle die WKÖ besonders darauf drängen, sagte Mitterlehner, dass auch jene Firmen, die MVK-Verträge schon abgeschlossen haben, die veränderten, günstigsten Konditionen erhalten. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 18.12.2002)

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