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17. Dezember 2002, 14:09
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Nach knapp 25 Jahren wird die Vereinigung "Made in Austria" aufgelöst - Das rot-weiß-rote "A" auf den Produkten verschwindet

Wien - "Made in Austria" sagt Servus. Nach knapp einem Viertel Jahrhundert wird die Vereinigung der österreichischen Wirtschaft mit Jahreswechsel aufgelöst. Das bekannte Markenzeichen, das rot-weiß-rote "A", verschwindet von den Produkten und Verpackungen. "Made in Austria"-Geschäftsführer Helmar Kögl begründet die Auflösung des Vereins in einer Pressemitteilung mit der "schwindenden Bedeutung nationaler Herkunftszeichen". Als vergleichbarer Ersatz soll künftig etwa das Gütezeichen Austria der ARGE Qualität zur Verfügung stehen.

Das rot-weiß-rote "A" wird ab 2003 nur noch in der Unternehmenskommunikation, auf Werbemitteln, Informationsständen soll das Austria-Zeichen bestehen bleiben - allerdings auch das nur noch als "reines werbliches Orientierungszeichen" und nicht mehr als Herkunftszeichen, heißt: Ob das beworbene Produkt tatsächlich aus Österreich stammt, wird man am "A" nicht mehr ablesen können.

Produkt-Herkunft schwierig vermittelbar

Die bisherigen strengen Auflagen - mehr als 50 Prozent Wertschöpfung in Österreich - fallen. Künftig wird das "A" allen Mitgliedern der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Freiberuflern, "die im Interesse der österreichischen Wirtschaft tätig sind", zur Verfügung stehen.

In der verflochtenen Wirtschaft des europäischen Binnenmarkts sei es immer schwieriger geworden, eine klar definierte Produkt-Herkunft zu bestimmen, meint Kögl: Das Austria-Zeichen werde künftig als die internationale Imagewerbung für den Wirtschaftsstandort Österreich und für österreichische Unternehmen dienen.

Das Austria-Zeichen war 1978 ins Leben gerufen worden. Auslöser war damals ein dramatisches Leistungsbilanzdefizit. Als sozialpartnerschaftliche "Vereinigung zur Förderung des Inlandsabsatzes österreichischer Produkte" bemühte sich "Made in Austria", Qualität und Vorteile heimischer Produkte bei österreichischen Konsumenten bekannt zu machen, sowie die Leistungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft herauszustreichen. Das rot-weiß-rote "A", das werbliche Symbol der Vereinigung, wurde unter anderem durch das beliebte Fernseh-Quiz "Made in Austria" zu einer der stärksten Marken Österreichs - mit zeitweise bis zu 97 Prozent Markenbekanntheit. Das Austria-Zeichen ist als Verbandsmarke registriert, Markeninhaber ist die Wirtschaftskammer Österreich.

Vielfalt groß, Nutzwert fraglich

Mit der Abschaffung des rotweißroten "Made in A" als Herkunftszeichen für ein überwiegend österreichisches Produkt verschwindet eine bekanntesten Warenzeichen, das Konsumenten als Orientierung gedient hat. An Logos, Pickerln und Produktsiegeln für Waren und Organisationen herrscht heute kein Mangel - was sie konkret bedeuten, wissen aber oft nur wenige Verbraucher. So hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in den vergangenen Jahren auch immer wieder den Gebrauch/Missbrauch des "Made in A"-Zeichens kritisiert.

Dinge wie italienische Pistazien mit dem rotweißroten Herkunftszeichen haben immer wieder zu Anfragen bei den Konsumentenschützern und zu Klagen des VKI geführt: Wie ist es möglich, dass in Österreich gar nicht hergestellte Dinge unter rotweißroter Flagge segeln? Die Antwort in vielen Fällen: Die Waren wurden zwar im Ausland hergestellt, aber in Österreich verarbeitet und verpackt. Entfielen mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung auf das Inland, war die Auszeichnung mit dem rotweißroten A rechtlich gedeckt. Per Jahreswechsel entfällt auch diese Bestimmung, das Logo wird nicht mehr für Produkte, sondern nur mehr in der Unternehmenskommunikation, auf Werbemitteln und bei Informationsständen verwendet.

Vermittelte Produkt-Prüfung

Weiter für Produkte verwendet wird auch ab kommendem Jahr das Austria Gütezeichen der Arge Qualitätsarbeit. Der Verein vermittelt auf Antrag des Erzeugers eine Produktprüfung etwa auf Güte, Normen und gesetzliche Vorschriften und verleiht nach bestandener Prüfung das Gütezeichen - eine goldene, kreisrunde Plakette. Ist die Plakette mit einem rotweißroten A in der Mitte ausgestattet, heißt das, dass die Wertschöpfung des Produkts überwiegend in Österreich erfolgte.

Im besonders heiklen Lebensmittelsektor weit verbreitet ist das Qualitätssiegel der Agrarmarkt Austria (AMA). Es kann nur verliehen werden, wenn die Rohstoffe zur Gänze im Inland hergestellt wurden - mit einigen Ausnahmen für Produkte, die nicht in Österreich hergestellt werden, beispielsweise Bananen für Fruchtjoghurt. Fleisch und Fleischwaren müssen von Tieren stammen, die in Österreich geboren, aufgezogen und geschlachtet wurden. Für das AMA-Gütesiegel gelten auch bestimmte Kriterien für die Produktionsweise. Ein Zeichen für ein Bio-Produkt ist das AMA-Gütesiegel aber keines. Die AMA verfügt auch über ein eigenes Bio-Siegel, für das die gleichen Herkunfts-, aber andere Produktionsvorschriften gelten als für das "normale" AMA-Gütesiegel. (APA)

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